Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

932

Bienenwachs.

Auf  den  Siedepunkt  erhitzt,  verdampft  das  Wachs  teilweise,  indem  eine  weißliche ­
  Substanz,  die  sog.  Wachsbutter,  übergeht;  bei  stärkerem  Erhitzen  findet  eine
Zersetzung  statt,  ohne  daß  indes  Acrolein-Geruch  auftritt.
Durch  Bleichung  an  der  Sonne,  oft  unter  Zusatz  fremder  Körper,  wie  Weinstein, ­
  Alaun,  Borax  usw.,  wird  das  weiße  Wachs  erhalten,  welches  sich  dem  gelben
gegenüber  verhält  wie  ranziges  Fett  zu  frischem.  Neuerdings  wird  auch  durch
alleinige  Bleichung  mit  chemischen  Mitteln  (z.  B.  Kaliumbichromat  und  Schwefelsäure) ­
  weißes  Wachs  hergestellt.
Das  Bienenwachs  besteht  aus  einem  Gemisch  von  etwa  14  °/ 0  Cerotinsäure
und  etwa  86  °/ 0  Myrioin  (Palmitinsäure-Myricylester)  neben  geringen  Mengen  von
Kohlenwasserstoffen.
Verfälschungen.  Das  Wachs  kommt  sehr  häufig  verfälscht  in  den  Handel
Die  Verfälschungen  bestehen  vorwiegend  im  Zusatz  von  Talg,  Stearinsäure,  Paraffin,
Ceresin,  Japanwachs,  Karnaubawachs,  Erdwachs,  Harz  usw.;  hin  und  wieder  kommen
auch  grobe  Verfälschungen  durch  Zusatz  von  Wasser,  Mineralstoffen,  Stärke  usw.
vor.  P.  Lemaire 1 )  traf  im  Handel  auch  mehrfach  künstlich  gefärbtes  Wachs  an.
Zum  Nachweise  von  Wasser,  Mineralstoffen  usw.  (vergleiche  nachstehend  unter
No.  1)  verwendet  man  die  ungeschmolzene  Probe,  wie  sie  vorliegt,  und  schneidet
davon  mit  dem  Messer  feine  Späne  ab;  zu  allen  sonstigen  Bestimmungen  verwendet
man  die  durch  Schmelzen *  2  * )  und  Filtration  im  Wasserdampftrockenschranke  gereinigte ­
  Wachsmasse.
1.  Bestimmung  des  „Abganges“;  Prüfung  auf  Wasser,  mineralische  Beimengungen ­
  usw.  a)  Das  Eohwachs  enthält  meist  noch  geringe  Mengen  fremder  Bestandteile ­
  (Wasser,  Schmutzteile  usw.),  die  bei  der  Gewinnung  aus  den  Waben  nicht
vollständig  entfernt,  worden  sind.  Vielfach  wird  seitens  der  Wachsschmelzer  die
Aufgabe  gestellt,  diesen  sog.  „Abgang“  zu  bestimmen.  Hierbei  kommt  es  meist
nicht  so  sehr  auf  große  Genauigkeit  der  Ergebnisse,  als  vielmehr  darauf  an,  daß
sich  das  Verfahren  der  Praxis  des  Wachsschmelzens  möglichst  anschließt.
Zu  diesem  Zwecke  kocht  man  nach  E.  Berg 8 )  50—100  g  oder,  wenn  möglich, ­
  noch  mehr  Wachs  in  einer  geräumigen  Porzellanschale  unter  stetem  Umrühren
etwa  10  Minuten  mit  etwa  10  °/ 0  verdünnter  Schwefel-  oder  Oxalsäure  (1  :10).
Dann  läßt  man  die  Probe  in  Euhe  absitzen  und  erkalten  und  schabt  möglichst  vorsichtig ­
  etwa  anhaftenden  Schmutz  von  der  Unterseite  des  Wachskuchens  ab.  Der
Wachskuchen  wird  mit  Filtrierpapier  abgetrocknet,  einige  Stunden  im  Exsikkator
belassen  und  dann  gewogen.  Der  Schmutz  wird  nochmals  ein  paar  Minuten  lang
mit  der  Säure  zum  Sieden  erhitzt  und  das  hierbei  gewonnene  Wachs  zur  Hauptmenge ­
  hinzugefügt.
b)  Wasserbestimmung.  Enthält  ein  Wachs  größere  Mengen  Wasser,  so
kann  man  dieses  wie  in  der  Butter  (vergl,  S.  548)  bestimmen.  Ch.  B.  Davis 4  * )
4 )  E6p.  Pharm.  1904,  [3],  16,  356;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel ­
  1905,  0,  631.
2 )  Unter  Umständen  empfiehlt  es  sich,  zur  Entfernung  von  Honigteilen  usw.  vorher
das  Wachs  auch  noch  mit  Wasser  auszukoohen.
Bei  Wachs,  welches  durch  Filtration  im  geschmolzenen  Zustande  nicht  vollkommen
klar  erhalten  werden  kann,  empfiehlt  G.  Büchner  (Chem.-Ztg.  1901,  ‘25,  21),  dieses  in
Chloroform  in  der  Wärme  zu  lösen,  dann  die  Lösung  zu  filtrieren  und  das  Chloroform  zu
verdunsten.
s )  Chem.-Ztg.  1903,  27,  752.
4 )  Jonrn.  Americ.  Chem.  Soc.  1901,  23,  487;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungsund ­
  Genußmittel  1902,  5,  215.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.