Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Schmieröle.

947

ß)  Die  Prüfung  im  offenen  Tiegel  (Fig.  352)  wird  nach  den  Vorschriften
der  preußischen  Staatshahnen  in  folgender  Weise  vorgenommen:
Das  Öl  wird  in  einen  zylindrischen,  glasierten  Porzellantiegel  a  von  4  cm
Höhe  und  4  cm  lichter  Weite  bis  auf  1  cm  vom  Rande  gefüllt  und  der  Tiegel  in
eine  halbkugelförmige  Blechschale  b  von  18  cm  Durchmesser  gestellt,  in  welcher
sich  eine  Sandlage  von  1,5  cm  Höhe  befindet.  Der  Tiegel  wird  auf  den  Sand  gestellt. ­
  Nachdem  ein  Thermometer  c  so  in  das  öl  eingehängt  ist,  daß  die  Quecksilberkugel ­
  ganz  von  Öl  umgeben  wird,  fängt  man  an,  mit  dem  Bunsen-Brenner
zu  erwärmen,  und  verfolgt  die  Temperatur-Steigerung,  indem  man  von  100°  an  nur
langsam  mit  der  Erhitzung  vorangeht.
Von  100°  oder  von  120°  an  prüft  man  von  5  zu  5°  und  von  145°  an  von
Grad  zu  Grad  mit  einer  etwa  10  mm  langen  Zündflamme  das  öl  auf  entzündbare
Gase,  indem  man  die  Zündflamme  jedesmal  4  Sekunden  über  dem  Tiegel  hält  und
von  den  entwickelten  Dämpfen  bestreichen  läßt.  Hierbei  läßt  man  das  Zündrohr  g
so  über  den  Rand  der  Blechschale  gleiten,  daß  die  Flamme  langsam  und  gleichmäßig
in  wagerechter  Richtung  Uber  den  Rand  geführt  und  die  vertikalstehende  Flamme
2—3  mm  von  der  Oberfläche  entfernt  bleibt 1 ).  Die  Erwärmung  wird  so  lange
fortgesetzt,  bis  bei  Annäherung  des  Flämmchens  ein  vorübergehendes  Aufflammen
Uber  der  Öloberfläche  oder  eine  durch  einen  schwachen  Schall  wahrnehmbare  Verpuffung ­
  eintritt.
b)  Brennpunkt.  Hierunter  versteht  man  die  Temperatur,  bei  der  bei  vorübergehender
Annäherung  einer  Flamme  ein  ruhiges  Fortbrennen  an  der  Oberfläche  des  Öles  stattfindet.
„Die  Bestimmung  des  Brennpunktes  ist  im  allgemeinen  bei  Schmierölen  neben  der  Flammpunktbestimmung ­
  entbehrlich.  Jedoch  empfiehlt  es  sich,  in  besonderen  Fällen,  z.  B.  bei
auffallend  niedrigem  Flammpunkt  und  bei  Fragen  der  Feuergefährlichkeit,  auch  den  Brennpunkt ­
  zu  bestimmen.“  Man  schließt  die  Bestimmung  des  Brennpunktes  an  die  des  Flammpunktes ­
  im  offenen  Tiegel  an  (vergl.  oben  unter  a  ß).
„Die  Bestimmung  erfolgt  in  offenen,  4  cm  weiten  und  4  cm  hohen  Porzellantiegeln
auf  flacher  Sandbadschale.  Die  Tiegel  sind  zur  Hälfte  in  Sand  einzubetten.  Das  Erhitzen
soll  stetig  erfolgen  und  die  Temperatursteigerung  soll  etwa  4°  in  der  Minute,  im  äußersten
Falle  6°  in  der  Minute  betragen.“
c)  Verdampfungsmenge.  „Die  Bestimmung  der  Verdampfungsmenge  beim  Erhitzen
der  Öle  im  offenen  Gefäß  (Porzellantiegel)  ist  nur  ausnahmsweise  erforderlich,  nämlich  um
in  besonderen  Fällen  die  Verdampfbarkeit  von  solchen  Ölen  zu  vergleichen,  welche  bei
Heißdampf-  und  Hochdruckmasohinen  zu  hocherhitzten  Ölbädern  und  dergleichen  Verwendung ­
  finden.“
„Die  Bestimmung  soll  in  4  cm  weiten  und  4  cm  hohen  Porzellantiegeln  erfolgen.
Die  Tiegel  sollen  im  Sandbad,  zur  Hälfte  in  dieses  eingehüllt,  auf  die  in  Frage  kommende
Temperatur  erhitzt  werden.  Zu  den  Versuchen  ist  stets  ein  Vergleichsöl  heranzuziehen
und  die  Erhitzung  ist  bei  den  Vergleichsversuchen  gleich  schnell  (20  oder  30  Minuten)  zu
bewirken.  Es  sind  stets  2  Versuche  auszuführen,  aus  deren  Ergebnissen  das  Mittel  zu
nehmen  ist.“
D.  Holde *  2 )  hat  für  die  Bestimmung  der  Verdampfbarkeit  besondere  Apparate
herstellen  lassen 3 ),  auf  die  hier  verwiesen  sei.

*)  Eine  stets  gleichartige  Annäherung  der  Flamme  wird  durch  den  Apparat  mit
mechanischer  Flammenführung  von  Marcusson  erreicht,  der  von  den  „Vereinigten  Fabriken
für  Laboratoriumsbedarf“  in  Berlin  hergestellt  wird.
2 )  Mitteil,  techu.  Versuchsanstalten.  Berlin  1902,  67.
3 )  Die  Apparate  werden  von  der  Firma  Paul  Altmann  in  Berlin  NW.,  Louisenstraße ­
  47,  geliefert.

60*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.