Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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vertrieb.  Die  Alaunwerke  des  Kirchenstaates  hatten  sich  inzwischen  ebenfalls ­
  geeinigt  und  den  Preis  ihres  Produktes  um  zwei  Drittel  gesteigert, ­
  infolge  wovon  sich  die  russischen  Alaunhändler,  welche  bisher
die  italienische  Provenienz  bevorzugt  hatten,  an  die  schwedischen  Werke
wandten;  infolge  der  hier  gestiegenen  Nachfrage  hob  sich  auch  der  Preis
des  schwedischen  Alauns,  und  diese  Lage  benutzten  die  deutschen  Alaunwerke ­
  zu  einer  Preiserhöhung  ihres  Produktes.  Dadurch  ergab  sich
ein  anderes  Bild  im  Konkurrenzkämpfe  des  deutschen  mit  dem  ausländischen ­
  Alaun,  und  wir  sehen  das  in  den  obigen  Zahlen  der  Jahre
1838—1839  zum  Ausdruck  kommen.  Eine  abermalige  Preiserhöhung
infolge  der  gestiegenen  Hilfsstoffe  bewirkte  ein  Abflauen  in  der  Nachfrage ­
  nach  inländischem  Alaun,  und  dazu  traten  nun  ganz  unerwartet
eine  Reihe  neuer  Konkurrenten  auf.  Der  bekannte  Johann  David  Stark
sah  sich  infolge  einer  von  Wien  ausgehenden  Handelskrisis  veranlaßt
aus  seinem  böhmischen  Alaunwerk  zu  Altsattel  beträchtliche  Mengen
Alaun  billig  nach  Deutschland  abzuschieben.  Seit  1837  war  in  Neuglück ­
  bei  Bornstedt  ein  neues  Alaunwerk  entstanden,  die  rheinischen
Alaunhütten  hatten  durch  Vergrößerung  ihrer  Betriebe  so  niedrige-Alaunpreise
  erzielt,  daß  ihr  Alaun  die  Kosten  eines  Seetransportes
nach  Stettin  vertrug,  um  von  hier  aus  in  Berlin  dem  östlichen  Alaun
Konkurrenz  zu  machen.  Dazu  kam  dann  aber  noch  der  ausländische
Alaun  und  der  künstliche  Alaun,  welch  letzterer  nunmehr,  basierend
auf  niedrigen  Schwefelsäurepreisen,  noch  billiger  war  als  der  billigste
natürliche  Alaun.  Vor  allen  Dingen  trat  hauptsächlich  seit  1842  die
schwefelsaure  Tonerde  als  Konkurrentin  gegen  den  Alaun  überhaupt
auf  den  Plan.  Sie  war  um  50  °/ 0  gehaltreicher  an  wirksamer  Substanz
als  der  Alaun,  sie  lieferte  infolgedessen  noch  50  %  Frachtersparnis
und  ihr  Herstellungspreis  ging  noch  bedeutend  unter  den  des  künstlichen
Alauns  herunter.  Wir  sehen  in  obiger  Zahlenreihe  das  Jahr  1842
und  das  folgende  deutlich  sich  als  Krise  charakterisieren.  Es  hatte  bie
schwefelsaure  Tonerde  dem  Alaun  gleich  bei  ihrem  ersten  Auftreten
einen  so  schweren  Schlag  versetzt,  daß  sich  der  Alaun  davon  nicht  wieder
erholt  hat.  Dazu  unterließ  das  Kartell  noch  1842  eine  angemessene
Reduzierung  der  Preise,  und  als  diese  Ende  1842  erfolgte,  war  der
Kampf  bereits  entschieden.  Unter  den  vier  Alaunwerken  ergaben  sich
schon  immer  Schwierigkeiten  wegen  der  Transportkosten,  die  Preise
waren  bis  zur  Unerträglichkeit  gesunken,  und  so  löste  sich,  nachdem  1843
der  Alaunverkauf  des  Alaun-Debit-Komptoirs  fast  ganz  ins  Stocken,
geraten  war,  dieses  interessante  Kartell  am  1.  Juli  1844  auf.  Freienwalde ­
  hatte  seit  1843  mit  Unterbilanz  gearbeitet,  es  stellte  1849  seinen
Betrieb  ein,  Schwemsal  wurde  1852  verkauft,  Gleißen  geriet  1854  in
Konkurs  und  Muskau  ging  anfangs  der  60  er  Jahre  wegen  dauernder
            
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