Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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liche  Weißleder  ist  rein  weißgar  und  das  gewöhnliche  Waschleder  ist
rein  sämischgar;  aber  unsere  übrigen  Gebrauchsleder  sind  fast  alle  in
kombinierten  Verfahren  gegerbt.  Schon  das  einfache  Schmieren  des
Leders  mit  Tran  bedeutet  eine  Art  Kombinationsgerbung,  die  gewöhnliche ­
  Glacegerbung  mit  Alaun,  Mehl  und  Eiern  ist  eine  Alaunfettkombinationsgerbung, ­
  bei  welcher  die  gerbenden  Substanzen  gleichzeitig ­
  zur  Einwirkung  gelangen,  während  beim  ungarischen  Leder  (mit
Alaun  und  Talg  gegerbt,  also  ebenfalls  eine  Alaunfettkombinationsgerbung)
  die  gerbenden  Substanzen  nacheinander  ihre  Wirkung  aus
das  Leder  ausüben.  Oberleder,  Handschuhleder,  Futterleder,  die  große
Zahl  von  Chromgerbungen,  das  sind  fast  alles  Kombinationsgerbungen,
ein  Komplex,  welcher  technisch  leicht  in  ein  übersichtliches  System  zergliederbar ­
  ist,  welcher  aber  für  ökonomische  Betrachtungen  als  unauflösbar
und  unentwirrbar  sich  erweist,  sobald  man  unter  die  kleinsten  Einheiten
der  Statistik  heruntergeht,  und  letzteres  ist  natürlich  besonders  dann
der  Fall,  wenn  man  zur  Untersuchung  der  Großbetriebe  sich  anschickt,
weil  hier,  ohne  daß  man  gerade  von  kombinierten  Betrieben,  von
industriellen  Trusts  oder  sonstigen  modernen  Konzentrationsformen  der
Industrie  zu  reden  braucht,  in  allen  Lederbranchen,  vielleicht  mit  der
einzigen  Ausnahme  des  gewöhnlichen  lohgaren  Sohlleders,  selbst  die
spezialisiertesten  Betriebe  dennoch  fast  immer  schon  wieder  Zusammenfassungen ­
  noch  kleinerer  Einheiten  darstellen;  so,  wie  z.  B.  der  gewöhnliche ­
  Handwerker  seit  Jahrhunderten  weiße  und  braune  Schaffelle,  wie
der  „Weißgerber"  weiß  und  sämisch  in  seiner  Hand  vereinte,  weil  das
damals  die  kleinsten  bekannten  Einheiten  gewesen  sind,  so  sind  auch
heute  in  den  größten  Betrieben  weiße  und  braune  und  farbige  Schafleder ­
  oder  Sämischleder  und  Fettgarkombinationen  oder  Alaun-  und
Chromglace  mit  Kalbkid  und  Farbenchevreaux,  oder  Rot-  und  Chromgerberei ­
  oft  miteinander  verbunden.  Wir  wollen  im  folgenden  versuchen, ­
  hauptsächlich  der  Weißgerberei  und  Glacegerberei,  daneben  auch
der  ungarischen  Weißgerberei  unser  Hauptaugenmerk  zuzuwenden,  wobei
aber  neben  der  Pergamentmacherei  vor  allen  Dingen  die  Sämischgerberei ­
  wegen  der  schon  öfter  angedeuteten  engen  ökonomischen  Beziehungen ­
  während  der  ganzen  Phase  des  deutschen  Handwerks  einer
ziemlich  eingehenden  Berücksichtigung  bedarf.
Auf  den  eigentlichen  Gerbeprozeß  folgt  nun  eine  weitere  Reihe
von  Operationen,  welche  man  unter  dem  Namen  Nacharbeit  oder  Zurichterei ­
  zusammenfassen  kann.  Es  sind  das  rein  mechanische  Vorgänge,
mit  dem  Zweck  dem  gegerbten  Leder  ein  käufliches  Aussehen  zu  geben;
es  ist  das,  was  man  in  der  Textilindustrie  Appretur,  Finish  nennt,
und  so  gering  die  Bedeutung  dieser  Operationen  vom  theoretischen
Standpunkt  aus  gewertet  werden  mag,  so  groß  ist  ihre  Wichtigkeit
            
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