Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

137

eines  Rotgerbers  ’);  den  mit  den  Hugenotten  im  Fürstentum  Ansbach
eingewanderten  Gebrüdern  Garnier  wurde  ein  eigenes  „Gerberhaus"  zur
Verfügung  gestellt^),  etwas  später  mußten  die  französischen  Gerber  in
Schwabach  das  an  sie  vermietete  Haus  räumen 8  9 ),  in  Berlin,  Bremen,
Göttingen  wurde  Leder  in  einem  eigenen  „Lederhof"  hergestellt^),  ein
luxemburgisches  Weistum  aus  Schengen  1624  berichtet  von  einem  Diebstahl ­
  „etzlicher  riendsheuth  aus  der  kaullen  zu  Ellringen" 5 ),  die  Gerber  in
Tiflis  arbeiten  gemeinsam  in  einem  großen  Gebäude  „Dabag-Chana",
Gerberstütte  genannt 8 ),  und  in  einer  der  größten  Gerbereien  zu  Konstantine, ­
  Algier,  stnden  sich  etwa  ein  Dutzend  in  den  Boden  eingemauerter ­
  Kalkgefäße 7 )  zum  Äschern 8 ).
Das  sind  lauter  Vorstellungen,  welche  sich  nicht  allzuweit  von  den
uns  geläufigen  entfernen;  die  Dorfkuhle  zu  Ellringen  ist  wahrscheinlich
eine  Grube  im  Boden,  welche  den  Dorfbewohnern  zur  Verfügung  stand,
kurz,  wir  finden  die  Gruben  im  Boden  wieder,  die  Werkstätte  des
Gerbers  ist  ein  Haus,  ein  fest  bestimmtes  Gebäude;  nur  in  dem  einen
Punkte  scheinen  sich  die  Verhältnisse  geändert  zu  haben,  daß  nämlich
in  fast  allen  zitierten  Beispielen  die  Gerber  an  einer  ihnen  allen  gemeinsamen ­
  Produktionsstätte  zusammengezogen  waren,  wobei  allerdings
meist  Rotgerber  in  Betracht  kamen.  Auf  die  weiteren  wirtschaftsgeschichtlichen ­
  Konsequenzen,  welche  sich  aus  dieser  Tatsache  für  Rotgerber ­
  ziehen  lassen,  kann  hier  nicht  eingegangen  werden.
Untersuchen  wir  nun  den  Inhalt  einer  Werkstatt  etwas  genauer.
Wir  wollen  zunächst  die  in  der  Werkstatt  vorhandenen  Gefäße  betrachten. ­
  In  der  Gerberstätte  zu  Tiflis  finden  wir  eine  Reihe  von
Kufen  nebeneinander  stehen  °),  und  in  der  Gerberei  von  Konstantine
stehen  in  einem  Hofe  etwa  60  hölzerne  Gerbekufen  in  der  Form  gewöhnlicher ­
  Tonnen  10  * );  neben  dem  Jrher  der  Mendelschen  Zwölfbrüderstiftung ­
  steht  eine  hölzerne  mit  Fellen  fast  bis  zum  Rande  gefüllte
Tonne");  die  Siegel  der  Rotgerberzünfte  stellen  sehr  häufig  einen  Mann
dar,  welcher  etwa  zur  Hälfte  aus  einer  auf  dem  Boden  stehenden  Tonne
herausschaut  12 ),  das  gleiche  Bild  findet  sich  hin  und  wieder  auf  den
außen  am  Hause  angebrachten  Schildern  zur  Bezeichnung  des  Hand-')

  Ebenda.  2 )  Schanz  1884,  S.  266.  s )  Schanz  1884,  S.  279.
4 )  Beckmann  1796,  S.  293.  °)  Dunker  1908,  S.  117.
*0  Tarajanz  1897,  S.  48.
’)  Schuh  und  Leder  1898,  Nr.  22,  S.  29.
9 )  Siehe  auch  Cook  1789,  Bd.  IV,  S.  97;  Lippert  1886,  Bd.  I,  S.  314.
9 )  Tarajanz  1897,  S.  48.  10 )  Schuh  und  Leder  1898,  Nr.  22,  S.  29.
")  Mendel  S.  92  und  119  a.
12 )  Vgl.  Seyler  1898,  S.  79  f.  und  Landau  S.  30
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.