Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Es  scheint  eine  Tendenz  zu  bestehen,  möglichst  viele  bekannte  Operationen
an  dem  gleichen  Werkstück  zu  vereinigen,  es  ist  also  mit  anderen  Worten
eine  Neigung  zur  Bildung  von  Kombinationen  zu  konstatieren.  Wir
sehen  das  z.  B.  bei  den  Kirgisen,  welche  die  Rauchgerbung  mit  der
Milchgerbung  kombinierten,  wir  sehen  es  bei  den  nordamerikanischen
Indianern,  welche  die  von  ihren  asiatischen  Verwandten  überkommene
Rauchgerbung  verbanden  mit  der  vielleicht  von  ihnen  erfundenen  Gehirngerbung; ­
  kurz,  wir  sehen,  wo  die  Gebiete  zweier  Gerbemethoden
zum  Kontakt  gelangen,  da  tritt  leicht  Kombination  der  beiden  Methoden
ein.  Unter  diesem  Gesichtspunkte  können  wir  die  eben  besprochenen
Kombinationsgerbungen  als  innere  Kontaktmethoden  bezeichnen  H.
Von  hier  aus  zum  historischen  Verständnis  der  übrigen  Kombinationsgerbungen ­
  ist  nur  ein  einziger  Schritt,  und  die  Richtigkeit  unserer
Schlußfolgerung  wird  durch  die  geographifche  Verbreitung  dieser  Kombinationsgerbungen ­
  in  geradezu  überraschender  Weise  bestätigt.  Ist
nämlich  unsere  bisherige  Folgerung  richtig  gewesen,  so  müssen  an  den
Stellen,  wo  die  großen  Verbreitungsgebiete  der  einfachen  Gerbemethoden
aneinander  stoßen,  Kombinationsgerbungen  entstehen,  welche  eine  Vereinigung ­
  der  hier  jeweils  zusammenstoßenden  Gerbemethoden  darstellen.
Mit  anderen  Worten,  die  Grenzen  der  Verbreitungsgebiete  der  einfachen ­
  Gerbemethoden  müssen  hin  und  wieder  durch  Kombinationsgerbungen ­
  markiert  sein.  Wir  wollen  diese  Methoden  der  Reihe  nach
betrachten.
Die  Chinesen  kombinieren  ihre  Rauchgerbung  mit  einer  vegetabilischen ­
  Gerbung,  wobei  die  Räucherung  bald  vor  der  vegetabilischen
Gerbung 2 ),  bald  nachher 3 )  vorgenommen  zu  werden  scheint.  Diese
Unsicherheit  in  der  Reihenfolge  der  Gerbungen  ist  dabei  nicht  zu  übersehen.
Weiter  westlich  folgen  nun  die  großen  von  Sven  Hedin  durchreisten
hochgelegenen  Territorien,  Gebiete,  aus  welchen  Mitteilungen  über  Gerbemethoden ­
  bis  jetzt  nicht  vorliegen.
Nachrichten  erhalten  wir  erst  wieder  von  dem  Chagrin,  dessen  Herstellung ­
  von  den  nogoyschen  Tataren  zu  Astrachan  über  die  Türkei  und
Persien  bis  zu  den  bucharischen  Städten  betrieben  wird  (Pallas  1781,
Bd.  I,  S.  325/326).  Dieser  Chagrin  ist  ein  eigentümliches  Produkt;  eine
Gerbung  fehlt  zunächst  überhaupt,  und  wenn  er  dann  gefärbt  werden  soll,
folgt  eine  eigentümliche  Reihe  von  Manipulationen,  Schwellen  mit  Galläpfeln, ­
  eventuell  Tränken  mit  Alaun,  Bestreichen  mit  heißem  Hammelfett, ­
  dann  erst  folgen  manchmal  die  Färbeoperationen,  kurz,  auch  hier
ist  die  Reihenfolge  der  Operationen  nach  den  verschiedenen  Beschreibungen

1)  Unter  diesem  Gesichtspunkt  sind  auch  die  moderne»  Kombinationen  meist
echte  innere  Kontaktmethoden,  vgl.  S.  120—121.
2 )  Schönmanns  Journal  1890,  Nr.  23.  -)  Gray  1878,  Bd.  II,  S.  158.
            
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