Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Mischen  Grenzen  nicht  weit  überschritten  haben  kann;  daraus  auch
wird  es  erklärlich,  daß  im  Vordergründe  der  erwähnten  kolonisatorischen
Maßnahmen  viel  weniger  die  Handschuhmacherei  und  die  Glacegerberei
gestanden  hat,  als  z.  B.  in  Franken  die  Strumpfwirkerei;  aber  die
Glacegerberei,  zunächst  im  Rahmen  der  ganzen  Kolonisation  ebenfalls
vielfach  privilegiert,  hat  im  Laufe  der  Entwicklung  Nachfrage  erzeugt,
während  z.  B.  die  Strumpfwirkerei  unter  dem  Wechsel  der  Bedürfnisse
untergegangen  ist.  Das  ist  eben  das  Verhältnis  der  Regierungsmaßuahme
  zur  tatsächlichen  Entwicklung,  auf  welches  ich  schon  bei  Gelegenheit ­
  der  Wanderung  der  Chromgerberei  hingewiesen  habe.  Das  Sein
oder  das  Nichtsein  eines  Produktionsprinzips  ist  an  sich  ein  Punkt  von
geringer  Bedeutung  für  eine  Staatspolitik;  aber  das  Emporkommen
oder  der  Untergang  eines  solchen  Prinzips  bedeutet  das  materielle  und
soziale  Steigen  oder  Dahinsiechen  ganzer  Bevölkerungsschichten,  welche
eben  die  Träger  dieser  Prinzipien  sind.
Die  Einwanderung  der  Hugenotten  vollzog  sich  hauptsächlich  nach
Berlin,  Magdeburg,  Straßburg,  Preuzlau,  Halle,  Mannheim  u.  a.  J )
in  Preußen,  nach  Dresden  in  Sachsen,  nach  Schwabach  und  Erlangen
in  Bayern,  nach  Prag,  nach  England,  auch  nach  Dänemarks.  Die
Zahl  der  Familien,  welche  im  Laufe  des  17.  Jahrhunderts  Frankreich
verlassen  haben,  wird  auf  75000  mit  ca.  375000  Köpfen  geschätzt 8 ).
Die  Zahl  der  in  Preußen  bis  1703  eingewanderten  Refugiös  beträgt
etwa  20  000  4 ).  Viel  geringer  ist  die  Zahl  für  Bayern;  sie  beträgt  hier
für  Neuerlang  bis  1698  z.  B.  1000  Franzosen,  davon  63%  mit  Textilindustrie, ­
  6 1 /,  %  mit  Gerberei  beschäftigt 5 )  (!)  Die  Statistik  von  Neuerlang
für  das  Jahr  1787  führt  neben  200  Stumpfwirkern  u.  a.  13  Weißgerber ­
  und  9  Handschuhmacher  auf 8 ).  Der  Wert  der  Fabrikation  der
von  Schwabacher  Fabriken  und  Manufakturen  erzeugten  Produkte
beträgt  für  die  2  Weißgerbereien  1794  10000  fl/  neben  180000  fl.
Produktionswert  der  Strümpfe')  (!)  Die  Einwohnerzahl  von  Schwabach
betrug>,1716  494  Seelen,  davon  46  Strumpfwirker,  6  Gerber,  kein
Weißgerber 8 ).  1802  endlich  betrug  die  Zahl  der  Weißgerber  im  ganzen
Fürstentum  Bayreuth,  d.  h.  in  den  Kreisdirektionen  Hof,  Wunsiedel,
Eulmbach,  Erlangen,  Neustadt  a.  A.,  Bayreuth:  87  Meister,  16  Gesellen,
3  Jungen,  in  Summa  106 9 ).  Erwähnt  sei  noch,  daß  es  in  Berlin
Zur  Zeit  dieser  Einwanderungen  nur  einen  einzigen  Lohgerber  gab,  daß
aber  dann  durch  die  Franzosen  auch  auf  diesem  Gebiete  ein  lebhafter
Aufschwung  bewirkt  wurdet").
y  Beheim  1874,  S.  493  ff.  *)  Gülich  1830,  Bd.  IV,  S.  327.
s )  Beheim  1874,  S.  59.  ■*)  Ebenda.  6 )  Schanz  1884,  S.  65.
°)  Schanz  1884,  S.  199.  0  Schanz  1884,  S.  312.  «)  Schanz  1884,  S.  295  ff.
Schanz  1884,  S.  213.  10 )  Beheim  1874,  S.  66.
Ebert,  Entwicklung  der  Weißgerberei.

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