Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

3.  Teil.

Die  ökonomische  Gestaltung  der
Meißgerkeeer.
7.  Kapitel.
Die  niederen  Formen  gewerblichen  Betriebes.
§  22.  Hauswerk,  Lohnwerk,  Hausindustrie.
Die  niederen  Formen  des  gewerblichen  Betriebes  sind  nicht  weniger
interessant  durch  die  Konstatierung  ihrer  Existenz  und  durch  die  Art
der  Betriebsmittel,  welche  das  Gewerbe  auf  diesen  Stufen  ermöglichen  r ),
als  durch  die  Art  der  Einfügung  der  Gerberei  in  den  auf  Familienwirtschaft ­
  gestellten  Haushalt.
Ob  die  im  H  a  u  s  w  e  r  k  zwischen  den  Geschlechtern  eintretende  Arbeitsteilung ­
  die  Fellarbeit  und  Gerberei  anfänglich  als  einen  Ausfluß  ursprünglichen ­
  Mutterrechts 2 )  der  Domäne  der  Frau  zuweist,  wie  sich  das
noch  bei  den  Huronen  am  Oberen  See,  wie  überhaupt  bei  den  nordamerikanischen ­
  Indianern  8 ),  bei  den  Kalmücken 4 ),  bei  Eskimos 5 ),  bei
Ostjaken 8 )  und  Abessiniern 7 )  beobachten  läßt,  oder  ob  die  Bearbeitung  der
Felle  in  der  primitiven  Wirtschaft  unter  dem  Gesichtspunkt  der  Verwertung ­
  der  Jagdbeute  oder  des  Herdenreichtums  ursprünglich  den
Männern  zufällt 8 ),  kann  nur  innerhalb  eines  viel  größeren  Tatsachenkomplexes, ­
  als  ihn  die  Gerberei  allein  liefert,  Gegenstand  einer  Untersuchung ­
  werden.
Häufiger  treffen  wir  im  Hauswerk  die  Männer  mit  Lederarbeit
beschäftigt;  so  war  es  im  alten  Indien 8 ),  so  auch  großenteils  noch  in
st  Vgl.  S.  129  ff.  -)  Lippert  1887,  Bd.  II,  S.  215.
5 )  Ratzel  1894,  Bd.  I,  S.  482.  l )  Pallas  1776,  Bd.  I,  S.  249.
°)  Cranz  1770,  Bd.  I,  S.  218ff.;  Ledertechnische  Rundschau  1912,  S.  268.
°)  Pallas  1778,  Bd.  III,  S.  36.  7 )  Ledermarkt  1893,  S.  601.
b)  Schurtz  1900,  S.  135;  Schurtz  afr.  1900,  S.  91,  235.
9 )  Speck  1900,  Bd.  I,  S.  152;  Lesmann  1890,  S.  88.

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