Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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duziert  von  den  Gewerbehygienikern,  vom  Kaiserlichen  Gesundheitsamte,
von  der  Lederindustrieberufsgenossenschaft,  und  sie  werden  auf  dem
üblichen  Verordnungswege  in  Kraft  gesetzt.
Ausdünstungen  und  Gerüche  in  den  Gerbereien  werden  am
wirksamsten  prophylaktisch  bekämpft,  indem  man  nämlich  den  Eintritt  von
übelriechenden  Fäulnisprozessen  möglichst  verhindert.  Reinhaltung  der
Arbeitsräume  durch  öfteres  Reinigen,  Vornahme  aller  Arbeiten  der
Wasserwerkstatt  in  Räumen  mit  zementierten  Böden  und  Wänden,
Sammlung  aller  Abwässer  und  Abfälle  in  gemauerten  oder  zementierten
Klärgruben,  tadellose  wasserdichte  Beschaffenheit  aller  Rinnen  und  Abläufe, ­
  das  sind  die  gemeinsamen,  von  Hygienikern  und  Verwaltungsbehörden ­
  erhobenen  Forderungen.  Zur  möglichsten  Beseitigung  dennoch
auftretender  unvermeidlicher  Gerüche  wird  eine  geeignete  Konstruktion
der  Fenster  verlangt,  damit  eine  Lüftung  der  Arbeitsräume  sich  leicht
bewerkstelligen  lasse  *).
Die  Verlegung  der  früher  am  offenen  Flusse  und  stets  im  Freien
gelegenen  Wasserwerkstatt  in  geschlossene  Räume  ermöglicht  die  wirksamste ­
  Bekämpfung  der  durch  K  ä  l  t  e  und  N  ä  s  s  e  erzeugten  Schädigungen;
letztere  Forderungen  erheben  schon  die  Abbildungen  im  Schauplatz  der
Künste  und  Handwerke,  indem  sie  die  ganze  Wasserwerkstatt  bereits  in
gedeckten  Räumen  vorführen;  aber  zum  Beweise  dafür,  daß  diese  Abbildungen ­
  mehr  unter  dem  Gesichtspunkte  des  frommen  Wunsches  als
unter  dem  Eindrücke  der  wirklichen  Zustände  entstanden  sind,  diene  das
Urteil,  welches  Keeß  1820  über  eine  große  Gerberei  in  Nußdorf  fällt;
er  sagt:  „Sie  zeichnet  sich  von  den  meisten  großen  Unternehmungen
dieser  Art,  auch  des  Auslandes,  durch  die  geräumigen,  sämtlich  unter
Dach  befindlichen  Werkstätten,  durch  die  hohen  zum  Trocknen  der  Häute
bestimmten  Hängegemächer  aus" 2 ).  Erst  durch  Verlegung  aller  dieser
nassen  Arbeiten  in  gedeckte  und  geschlossene  Räume,  durch  Zementierung
des  Bodens  und  der  Wände,  durch  Ermöglichung  entsprechender  Lüftung
wird  eine  Heizung  dieser  Räume  durchführbar,  und  durch  Zusammenwirken ­
  dieser  verschiedenen  Momente  werden  die  schädlichen  Folgen  der
nicht  ganz  vermeidbaren  Durchnässung  bedeutend  eingeschränkt;  auch
das  Tragen  geeigneter  Schuhe  und  Kleidung  sowie  eine  geeignete  Konstruktion ­
  des  Schabebaums  können  hier  prophylaktisch  wirken.
Verhältnismäßig  am  schwierigsten  beizukommen  ist  den  Schädigungen,
welche  sich  aus  der  professionellen  Haltung  und  Bewegung  ergeben; ­
  denn  jeder,  auch  der  besteingerichtete  gewerbliche  Betrieb,  selbst  wenn
er  ganz  auf  Maschinenarbeit  gestellt  ist,  erfordert  immer  noch  ein  ge*) ­
  Unfallverhütungsvorschriften  der  Leder-Jndustrie-Berufsgenossenschaft  g  6;
siehe  vor  allem  die  Genehmigungsurkunde  Kirchhain;  Layet  1877,  S.  111.
-)  Keeß  1820,  S.  21.
            
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