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Die äußeren Lebensbedingungen, unter denen der Feld-
arbeiter lebt und arbeitet, sind grundverschieden von denen
des städtischen Fabrikarbeiters, der im engen Raume intensiv
an der Maschine schafft. Deshalb veränderte sich vor allem
auch die Zusammensetzung der täglichen Nahrung der Be
völkerung ganz erheblich.
Einmal verzehrte die städtische Bevölkerung mehr und
mehr anstatt Roggenbrot das schmackhaftere Weizenbrot,
und ferner stieg der Fleischverbrauch des Volkes ganz bedeutend.
Während z. B. in überwiegend landwirtschaftlichen Gegenden,
wie Niederbayern, 1907 auf den Kopf der Bevölkerung 37,64 kg
Fleisch kamen, zeigte Mittelfranken mit überwiegender In
dustriebevölkerung 57,58 kg Fleischverbrauch pro Kopf.
Der wirtschaftliche Charakter der deutschen Bevölke
rung hatte sich eben völlig verändert:
1816 bei 24,8 Millionen Bevölkerung 18,6 Millionen Land
wirtschaft,
1882: 18 704 038 Menschen, die von der Landwirtschaft
lebten, gegenüber 26 518 095 Nichtlandwirten,
1895 waren es nur noch 17 815 187 Landwirte und
1907: 16 920 671 Landwirte inmitten der anderen Erwerbs
klassen des Volkes.
Aus den 6,2 Millionen Nicht landwirten des Jahres
1816 waren 1895 33,9 Millionen und 1907 44,8 Millionen ge
worden.
Diese Änderungen in der Zahl und dem wirtschaftlichen
Charakter der Bevölkerung erklären es zur Genüge, weshalb
die Einfuhr von Getreide auch durch die 5 Mark-Zölle nicht
gehindert werden konnte. Das wachsende Volk brauchte
Brot und Futtermittel und die heimische Landwirtschaft
konnte ihren Bedarf nicht mehr allein decken. Infolge der
Ausdehnung der Städte, der Bahn- und Straßenbauten, in
folge von Aufforstungen, Ausdehnung von Gemeinde- und