Full text : Die deutschen Getreidezölle

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den  Preise  waren  offenbar  der  Ansporn  zur  Verbesserung  der
Bodenkultur  und  Entwicklung  der  landwirtschaftlichen  Technik.
Wenn  hier  eingewendet  werden  sollte,  daß  die  Landwirtschaft
nicht  in  der  Lage  sei,  viel  Geld  für  Verbesserungen  der  Betriebe
aufzuwenden,  so  sei  daran  erinnert,  daß  nicht  immer  zur  Erzielung ­
  solcher  Mehrerträge  die  Aufwendung  erheblicher  Mehrkosten ­
  notwendig  ist.  Entwässerungskosten  trugen  zum  großen
Teil  die  Landeskultur-Rentenanstalten,  teils  Staatszuschüsse.
Ferner  wurden  die  künstlichen  Düngemittel  allmählich  ganz
erheblich  verbilligt.  Die  Phosphorsäure  kostet  heute  etwa
ein  Drittel  des  Preises  vor  30  Jahren,  und  durch  die  Thomasschlacke, ­
  die  bei  der  Entphosphorung  des  Eisens  gewonnen
wird,  sank  die  Phosphorsäure  noch  mehr  im  Preise,  sodaß  sie  in
derZeit  von  1880—1897  um  45—48  °/ 0  verbilligt  wurde.  Die  Kalisalze, ­
  ehemals  sehr  kostbar,  sanken  in  den  letzten  30  Jahren  um
41  %  im  Preise,  ihre  Verwendung  stieg  deshalb  von  77  Doppelzentner ­
  auf  100  ha  im  Jahre  1890  auf  439  Doppelzentner  im  Jahre
1903.  Der  Stickstoff,  früher  nur  im  Chilisalpeter  enthalten,  sank
als  industrielles  Abfallprodukt  als  schwefelsaurer  Ammoniak  um
58  %  im  Preise.  Allerdings  stieg  der  Geldlohn  der  ländlichen  Arbeiter ­
  in  dieser  Zeit,  gleichzeitig  aber  auch  die  Produktivität
der  Arbeit.  Teils  durch  Steigerung  der  persönlichen  Arbeitsleistung, ­
  teils  durch  Verbilligung  der  Arbeit  durch  zweckmäßigere ­
  Arbeitsteilung,  Ersparnis  von  menschlichen  Arbeitskräften ­
  durch  Maschinen  und  tierische  Arbeitskräfte.  Verrichteten ­
  doch  im  Jahre  1907  nur  mehr  7  109  168  in  der  Landwirtschaft ­
  tätige  Arbeiter  die  Arbeit,  welche  1882  von  9  721  456
Arbeitern  geleistet  worden  war.
Auch  die  Kapitalbeschaffung  wurde  erleichtert  durch
Verbilligung  des  hypothekarischen  Zinsfußes,  der  auf  3%  %
herabging,  während  die  landwirtschaftlichen  Genossenschaften
auch  Personalkredit  zu  billigem  Zinse  gewährten.  Was  die
ländlichen  Genossenschaften  durch  Beschaffung  künstlichen
            
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