Full text: Die Zeit der preußischen Freihandelspolitik

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4. Möglichste Beschränkung der Kontrolle. 
Nach diesem Gesetze sollte demnach die Freiheit die 
Regel sein, die Legitimationspflicht der Transporteure und 
die Beschränkung der Gewerbebetriebe mit allen verzollten 
Waren die Ausnahme. 
Noch ehe das Zollparlament sein kurzes Dasein beendete, 
brachte es auch eine allgemeine Revision des Zolltarifs zu 
stande. Es wurde dadurch der Zolltarif von allen denjenigen 
Positionen entlastet, die nur in unbedeutenden Mengen ein- 
geführt wurden und daher nur eine geringe Einnahme einbrach- 
ten. Der finanzpolitische Zweck des Tarifs trat immer mehr in 
den Vordergrund. Es handelte sich jetzt hauptsächlich um 
die Herabsetzung der Zölle auf Vieh, Eisen, Chemikalien und 
Reis. Dagegen sollte der Kaffeezoll erhöht werden. 
Der 10. volkswirtschaftliche Kongreß, der 1868 in Breslau 
tagte, hatte zur Annahme von Resolutionen geführt, die durch 
das Tarifgesetz von 1870 erfüllt worden sind. Im ganzen 
wurden 90 Positionen gestrichen und 25 ermäßigt. 
Prince-Smith, der nach dem Tode Lettes im Jahre 1869 
Vorsitzender der ständigen Deputation des Volkswirtschaft 
lichen Kongresses geworden war, erließ im Juni 1870 einen 
Aufruf zur Bildung einer Vereinigung deutscher Freihändler. 
Diese Vereinigung sollte den Zweck haben, die Freihändler 
aller Parteien zu organisieren, auf die Beseitigung aller noch 
bestehenden Schutzzölle hinzuarbeiten und somit das Ideal 
eines Finanzzolltarifs zu verwirklichen. 
In dem Komitee, das diesen Aufruf Unterzeichnete, be 
fanden sich neben Mitgliedern der liberalen Parteien, wie 
Braun-Wiesbaden, v. Forkenbeck, Dr. Alexander Meyer u. a. 
auch Konservative, wie Graf Lehndorf, v. Thadden, v. Unruh- 
Bomst, v. Levetzow u. a. 
Wäre eine derartige Vereinigung in Wirksamkeit ge 
treten, so hätte sie wohl bald Gelegenheit gefunden, neben 
dem Kongreß deutscher Volkswirte, die Errungenschaften der 
liberalen Handelspolitik zu verteidigen; sie wäre aber auch 
gespalten worden, denn die konservativen Agrarier, die da 
mals leidenschaftliche Anhänger des Freihandels waren, wurden 
einige Jahre später die Hauptstützen der Schutzzollpolitik. 
Der Ausbruch des Krieges und seine politischen und wirt
	        
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