Full text: Das Zolltarifgesetz der Vereinigten Staaten von 1913

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Bei den feineren Sorten — China- und Porzellanwaren —, ist 
das umgekehrte der Fall. Auf diese Waren ist der hohe Zoll 
beibehalten. Sie werden hauptsächlich importiert und können 
gerechterweise als Luxusartikel angesehen werden. Die auf diese 
Waren entfallenden Zölle sind Finanzzölle, und es liegt kein 
Grund vor, sie zu ermäßigen. Zweifelsohne bleibt auch hier die 
Befürchtung einer Unterbewertung der Ware bestehen. Die 
richtige Bewertung hat in der Vergangenheit schon viel 
Mühe verursacht und wird es auch wohl in der Zukunft 
tun. Bei irdenen und Töpferwaren, bei denen der Zoll 
satz von 35 bis 40% beibehalten ist, ist die Situation 
eine andere. Dies sind ausgesprochene Schutzzölle und sie 
sind so hoch, daß sie jede Einfuhr verhindern. Vom fiskalischen 
oder vom Standpunkt des Wettbewerbsprinzips aus betrachtet, 
hätten auch diese Zölle, wie bei der Seide, eine größere Ermäßi 
gung erfahren müssen, als es der Fall ist. 
Bei den Zöllen auf Eisen und Stahl liegen die Verhält-1 
nisse anders, als bei den meisten Zöllen der anderen Gruppen 
des Tarifs. Bei ihnen ist das Schutzsystem allmählich in den 
aufeinanderfolgenden Tarifen von 1890 bis 1913 abgebaut wor 
den. Der Wilsonsche Anti-Schutztarif von 1894 ermäßigte, wie 
dies zu erwarten war, die Zölle erheblich. Selbst das schutz- 
zöllnerische Gesetz von 1897 behielt die ermäßigten Zölle bei 
und das kaum weniger schutzzöllnerische Gesetz von 1909 fuhr 
fort, die Zölle zu ermäßigen. Dieses ungewöhnliche Verfahren 
War das Resultat des außerordentlichen Aufschwungs der ameri 
kanischen Eisenindustrie und des nicht mißzuverstchenden Um 
standes, daß sie eines hohen Schutzes nicht mehr bedarf und 
Wahrscheinlich ohne Schutz fertig werden kann. Der Lauf der 
Ereignisse in den Vereinigten Staaten ähnelt hierbei in mancherlei 
Beziehungen der Entwicklung in Deutschland. In beiden Fällen 
habe die Eisen- und Stahlindustrie, die 1890 quantitativ beträchtlich 
hinter der Großbritanniens zurückstand, bald ihren alten Neben 
buhler überholt, ln beiden Ländern wurde die britische Eisen 
industrie nicht allein mit Bezug auf die Quantität der Produktion 
überholt, sondern wurde ihr auch in technischer Beziehung eben 
bürtig. ln beiden Ländern kann man wohl die Frage aufwerfen, 
°h junge Industrien mit Erfolg beschützt worden sind. Auf alle
	        
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