Full text : Krieg und Banken

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hätten  die  Banken  ihre  Guthaben  bei  der  Notenbank  abgezogen
und  der  Status  der  Reichsbank  wäre  nicht  liquider  gewesen.  Man
hat  nicht  die  Möglichkeit,  wenn  man  eben,  wie  betont,  die  glänzende ­
  Entwicklung  unseres  Wirtschaftslebens  nicht  zu  sehr  stören
oder  auf  Jahre  unterbinden  will,  den  privatwirtschaftlichen  Charakter ­
  unserer  Banken  zu  sehr  zu  verwischen.  Soweit  sie  den
Staat,  das  ist  die  Reichsbank,  zu  unterstützen  und  zu  kräftigen
haben,  soll  das  gewiß  geschehen;  es  kann  auch  vielleicht  in
manchen  Fällen  auf  eine  kurzfristigere  Anlage  der  fremden  Gelder
hingearbeitet  werden,  obwohl  auch  in  dieser  Beziehung  die  Annahmen ­
  mancher  Kritiker  übertrieben  sind.  Im  übrigen  ist  es  die
Hauptaufgabe  der  leitenden  Banken,  soweit  sie  die  ihnen  anvertrauten ­
  Gelder  anzulegen  haben,  hierbei  vorsichtig  und  mit  Umsicht
zu  verfahren,  und  zwar  so,  daß  die  Aktiven  im  wesentlichen  jederzeit ­
  liquide  zu  machen  sind.  Wie  hätten  sich  die  Herren,  welche
nicht  in  der  Praxis  stehen,  den  Gang  der  Dinge  denn  bei  Kriegsausbruch ­
  gedacht?  Glaubt  jemand,  daß  es  möglich  gewesen  wäre,
in  den  ersten  Wochen  der  Erregung  auch  nur  den  geringeren  Teil
der  Aktiven  anders  als  mit  Hilfe  der  Notenbank  zu  realisieren?
Die  Börsen  waren  geschlossen,  Wertpapiere  also  nicht  zu  verkaufen, ­
  ausländische  Guthaben  nicht  realisierbar,  soweit  sie  in  den
bekanntermaßen  nicht  geringen  Beträgen  in  Rußland  und  den
anderen  Staaten,  oder  aber  auch  in  Österreich-Ungarn,  Italien  und
den  Balkanstaaten  angelegt  waren.  Die  Kassebestände  bei  den
Banken  reichten  nicht  entfernt  aus,  um  allen  in  der  ersten  Angst
gestellten  Ansprüchen  zu  genügen.  Um  das  zu  können,  hätten
sie  eine  Höhe  haben  müssen,  die  nicht  allein  irrationell  im  Hinblick
auf  die  Erwerbstätigkeit  der  Banken,  sondern  auch  mit  Rücksicht
auf  die  Allg'emeinwirtschaft  gewesen  wäre.  Und  bei  Beginn  des
Krieges  Debitoren  kündigen?  Bernhard  sagt  an  irgendeiner  Stelle
mit  Recht:
„Wer  die  Aufgabe  hat,  die  Wirtschaft  mit  Kredit  zu  versorgen,  darf
in  dem  Moment  nicht  stoppen,  in  dem  Kredit  gerade  am  nötigsten  ist.“
Größere  Kassenbestände  oder  Guthaben  bei  der  Reichsbank
sind  kein  Allheilmittel.  Vorsichtige,  aber  auch  weitsichtige  Kreditgewährung ­
  und  gute  Aktiven  jeder  Art  sind  das  beste  Schutzmittel
auch  für  Kriegszeiten.  Übt  diesem  System  gegenüber  die
Reichsbank  die  ihr  zugewiesenen  Funktionen  richtig  aus,  so  wird
eine  Stockung  vermieden,  wie  sie  in  dem  so  oft  und  so  viel  ge ­
            
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