Full text : Krieg und Banken

\Y/enn  wir  heute,  nachdem  zehn  Monate  seit  Ausbruch  des
*  *  Weltkrieges  ins  Land  gegangen  sind,  unsern  Blick  in  die
Julitage  des  vorigen  Jahres  zurücklenken,  so  haben  wir  freimütig
zuzugeben,  daß  auf  allen  wirtschaftlichen  Gebieten  die  Entwicklung ­
  der  Dinge  einen  vielfach  anderen  Verlauf  genommen  hat,
als  angenommen  wurde.  Manche  Befürchtungen  sind  durch  die
Tatsachen  beseitigt.  Dazu  haben  in  erster  Linie  die  Erfolge
unserer  Heere  und  das  Hinübertragen  des  Krieges  in  die  Länder
unserer  Feinde  beigetragen.  Denn  hätten  sich  die  Kämpfe
der  verflossenen  Kriegsperiode  in  wesentlich  stärkerem  Maße
als  dies  geschehen  ist,  in  unseren  Grenzen  abgespielt,  so  wäre
eine  mehr  oder  minder  starke  Erschütterung  unseres  Wirtschaftsgebäudes ­
  nicht  abwendbar  gewesen.  Es  hat  sich  aber  auch  die
Grundlage  unserer  nationalen  Gesamtwirtschaft  als  im  Kern
gesund  erwiesen.  Ein  Land,  das  wie  das  unserige,  im  höchsten
Maße  dem  internationalen  Verkehr  angeschlossen  ist,  hätte  die
plötzliche  fast  vollständige  Isolierung  und  die  damit  verbundene
Unterbindung  des  ausgedehnten  Ein-  und  Ausfuhrhandels  nicht
so  leicht  überwunden,  wenn  der  Kern  unseres  Wirtschaftslebens
und  unseres  Kreditsystems  angefault  gewesen  wäre.  Schäden
besonderer  Art  oder  von  größerer  Tragweite  haben  sich  nirgends
gezeigt.  Industrie  und  Handel  haben  sich  überraschend  schnell
den  neuen  Verhältnissen  angepaßt,  die  Geldinstitute  im  Reiche,
von  der  Reichsbank  bis  zur  kleinsten  Sparkasse,  Genossenschaft
oder  Bank  haben  im  großen  und  ganzen  ihren  Aufgaben  gerecht
werden  können.  Gewiß  sind  hier  und  da  Fehler  gemacht  worden;
wen  könnte  das  bei  der  eingetretenen  enormen  Umwälzung  aller
Verhältnisse  wundernehmen.  Von  Ausnahmen  abgesehen,  haben
aber  die  deutschen  Banken  ununterbrochen
            
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