Full text : Krieg und Banken

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Fall  der  Kreditgewährung  größeren  Umfanges  für  industrielle
Zwecke  in  England  ein  Ausnahmefall  sei:
„Infolgedessen  ist  das  ganze  englische  Banksystem  —  nicht  nur  das
der  Bank  von  England,  sondern  auch  die  Privatbanken  —  nicht  darauf
eingerichtet.  Wenn  plötzlich  eine  größere  Zahl  von  Unternehmungen
solchen  Kredit  beansprucht,  ist  er  nicht  da.“
Diesem  richtig  dargestellten  Zustande  gegenüber  ist  das  Bild
bei  uns  ein  anderes.  Unsere  Industrie  und  der  Handel  haben  in
den  ersten  Wochen  mangels  Absatzes  auch  gestockt;  ebenso
haben  die  Banken  bei  Kriegsbeginn  Krediterhöhungen  nicht  vorgenommen, ­
  ohne  aber  Kredite  zu  kündigen.  Als  aber  die  Heeresverwaltung ­
  bei  der  nie  vorausgeahnten  ungeheuren  Ausdehnung
aller  Bedürfnisse,  bedingt  durch  die  starke  Einberufung  der  Soldaten ­
  und  den  Kampf  an  drei  Fronten,  an  den  Markt  die  notwendigen ­
  Anforderungen  stellte,  hat  weder  der  erforderliche  Bankkredit ­
  gefehlt  noch  die  Industrie  versagt.  In  der  Bankequetekommission
  der  Jahre  1908/1909  nahm  die  Erörterung  der  Frage  der
Umgestaltung  des  Depositenwesens  unserer  Universalbanken  einen
breiten  Raum  ein-  Das  Wort  „finanzielle  Kriegsbereitschaft“  hat
seit  Jahren  im  Vordergründe  jeder  Diskussion  auf  diesem  Gebiete
gestanden.  Man  verlangte,  die  Banken  sollten  größere  Barbestände
halten  oder  aber  ihren  Reservefonds  in  Staatspapieren  anlegen;
sie  sollten  gehalten  sein,  einen  gewissen  Prozentsatz  ihrer  Depositengelder ­
  bei  der  Reichsbank  zu  hinterlegen  und  anderes  mehr.
Vieles  von  dem,  was  von  Fachleuten,  Sachverständigen  und
Schriftstellern  hierüber  gesagt  und  geschrieben  worden  ist,  ist  über
den  Haufen  geworfen-  Es  hat  sich  bei  uns  in  Deutschland
gezeigt,  daß,  wie  bereits  betont  wurde,  auch  das  Kreditwesen
besser  gearbeitet  hat  als  in  den  uns  feindlichen  Ländern.  Indessen
bleibt  es  selbst  in  dem  jetzigen  Stadium,  in  dem  man  naturgemäß
irgendein  abschließendes  Urteil  nicht  abgeben  kann,  sehr  interessant, ­
  diese  Frage  der  Liquidität  der  deutschen  Banken,  Sparkassen ­
  und  Genossenschaften  kurz  zu  erörtern.  In  einem  sind  auch
heute  Freunde  und  Kritiker  des  deutschen  Kreditwesens  einig:  die
Maschine  hat  funktioniert.  Nur,  warum  das  so  gewesen  ist,  darüber ­
  ist  Meinungsverschiedenheit.  Speziell  zwei  bekannte  und  als
sachverständig  allgemein  anerkannte  Männer,  Georg  Bernhard
und  Alfred  Lansburgh,  urteilen  heute  trotz  der  glatten  Abwicklung
der  nötigen  Geschäfte  genau  so  scharf  wie  früher,  speziell  über
            
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