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die Liquidität der Banken. Beide kommen, ersterer u. a. im
„Archiv für Sozialwissenschaft“ (BdL 40 S. 43 ff.), letzterer in
seiner Zeitschrift „Die Bank“ (BdL 1914, S. 819 ff.), in Übereinstim
mung und in unveränderter Anlehnung an ihre früheren Anschau
ungen zu dem Resultat, daß überall da, wo das Füllhorn der
Reichsbank nicht hinreicht, Kreditnot, Zahlungsunfähigkeit, Qe-
sohäftsstockung und Arbeitslosigkeit geherrscht haben. Der
Bundesrat habe von der ihm bei Kriegsbeginn erteilten Ermächti
gung, Notverordnungen zu erlassen, einmal über das andere Ge
brauch machen müssen, um zu verhindern, daß ganze Berufs
zweige in Vermögensverfall geraten. Grundsätzlich stehen sich in
diesem wie ja auch in vielen anderen Punkten die Meinungen dia
metral gegenüber, weil jene beiden Vertreter „staatssozialistischer“
— wenn man so sagen darf — Anschauungen den privat-
wirtschaftlichen Charakter der Bank absolut hintanstellen oder gar
nicht gelten lassen wollen. „Die deutschen Banken“, heißt es an
einer anderen Stelle („Plutus“ 1914, S. 614), „hätten genau so ver
sagt, wie die Banken der ganzen Welt, wenn unsere Reichsbank
das gleiche Fiasko wie die übrigen Zentralnotenbanken gemacht
hätte.“
„Die praktische Konsequenz davon wird wahrscheinlich sein, daß
nach dem Friedensschluß die Verhandlungen über die Erhöhung der Bar
einlagen der Banken bei der Reichsbank in etwas schnellerem Tempo
vor sich gehen werden als bisher.“
Die Aufgaben der deutschen Reichsbank im modernen Wirt
schaftsleben werden seitens jener Herren gerade für kritische
Zeiten anders aufgefaßt, als dies seitens der Reichsbankleitung
selbst bei Ausbruch des Krieges geschehen ist und u. E. auch zu
geschehen hat. Wenn die Privatbanken in Friedenszeiten in dem
Umfange, wie es erforderlich wäre, um allen bei Kriegsausbruch
an sie herantretenden Anforderungen genügen zu können, sich auf
schwere kritische Zeiten oder auf einen Krieg einriohten würden,
wäre das bei der in den letzten beiden Jahrzehnten gewesenen und
nach dem Friedensabschluß hoffentlich wieder einsetzenden wirt
schaftlichen Entwicklung im Reiche hemmend und schaden-.
bringend gewesen. So starke Barvorräte zu halten, wie sie nötig
sind, um in solchen Tagen höchster Erregung allen Anforderungen
ohne Zuhilfenahme des Reservoirs der Reichsbank zu willfahren,