Full text: Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

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gendste Beispiel dafür ist die Soziologie. Dieser Dis 
ziplin wird oft geradezu aller wissenschaftliche Cha 
rakter abgesprochen, und wirklich — es gibt da eine 
ganze Masse von Publikationen, die niemand ernst 
nehmen kann und die wohl geeignet sind, manchem 
die Lust an der Soziologie gründlich zu verderben. 
Dennoch — überwuchert zwar von all diesem Un 
kraut, gibt es Weizen genug, man muß ihn nur zu 
finden wissen. Da hat sich im Anschluß an ethno 
logisches und historisches Material eine Theorie der 
Rechtsinstitutionen (Eigentum, Erbrecht, Ehe usw.) 
entwickelt, dann an diesem und anderem Material 
eine soziologische Theorie der großen kulturellen 
Wesenheiten, Sittlichkeit, Sitte, Kunst und Religion, 
eine Theorie des Wesens der sozialen Beziehungen, 
deren Summe wir „Gesellschaft“ nennen und vieles 
andere. Ich kann das nicht näher ausführen und 
belegen. Aber in allen diesen Problemgruppen wurde 
ein Vorrat gesicherten Wissens und ein Maß der 
Übereinstimmung erreicht, die von weiteren Kreisen 
sehr unterschätzt werden. 
Oder: Wer sich in der Diskussion des Phäno 
mens der Teuerung, das uns seit einigen Jahren so 
sehr beschäftigt, von der Wissenschaft Rat holen 
will, der stößt auf ein solches Gewirre von einander 
widersprechenden Gesichtspunkten und Behauptun 
gen, daß er leicht glauben kann, die Nationalökonomie 
wisse schlechthin nichts Positives und Sicheres dar 
über zu sagen, nichts wenigstens, was sich nicht 
jeder Laie selbst sagen kann. Aber dem ist nicht so: 
Weiß man nur das Dutzend kompetenter Autoren zu
	        
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