Full text : Die Lokal- und Mittelbanken der Schweiz

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Aktienkapital  Reeerven
BancaCantonaleTicinese,  Bellinzona ­
 1 )  .  2  Mill.  Fr.  20,000  Fr.
Banea  Svizzera  Americana,  Locarno  2  „  ,,  600,000  „
Societä  Bancaria  Ticinese  0,5  ,,  ,,  —
Daneben  kennzeichnen  die  Bilanz  fast  aller  Tessinerbanken  verhältnismässig ­
  grosse  Bestände  von  kurzfristigen  Sparkassengeldern.  Es  ist  klar,
dass  das  Wirkungsfeld  dieser  vielen  Banken  nicht  auf  den  Kanton  beschränkt
sein  konnte,  und  so  wurde  ein  „Auslandgehen“,  vor  allem  nach  Italien,  zur
Notwendigkeit.  Hierin  nun  haben  nicht  alle  Institute  die  nötige  Vorsicht
und  Sachkenntnis  walten  lassen,  und  die  Folge  waren  bedeutende  Verluste. 2 )
Mit  teilweise  verzweifelten  und  auch  verwerflichen  Mitteln  suchten  einzelne,
nun  zusammengebrochene  Institute,  die  Situation  zu  retten.  Umsonst;
zuerst  fiel  der  Credito  Ticinese  und  kurz  nachher  auch  die  Banca  Cantonale
Ticinese.  Die  Erschütterung  des  Vertrauens  rief  selbstverständlich  einem
Run  auch  auf  die  übrigen  Institute,  der  namentlich  bei  der  Banca  Popolare
Ticinese  in  Bellinzona  grossen  Umfang  annahm.  Da  das  Abheben  der  Guthaben ­
  nicht  mehr  aufhören  wollte,  musste  auch  diese  Bank  kapitulieren
und  ihre  Schalter  schliessen.  Die  Situation  der  zusammengebrochenen
Banken  erscheint  noch  zu  wenig  klar,  als  dass  ein  genaueres  Eingehen  darauf
möglich  wäre;  auf  alle  Fälle  aber  haben  der  Expertenbericht  der  Schweizerischen ­
  Treuhandgesellschaft  über  den  Credito  Ticinese  und  derjenige  der
durch  das  Syndikat  der  „Banque  du  Tessin  en  formation“  eingesetzten
Kommissäre  über  die  Banca  Cantonale  Dinge  zu  Tage  gefördert,  die  geeignet
wären,  das  Tessiner  und  das  Schweizer  Bankwesen  überhaupt  schwer  zu
diskreditieren,  wenn  man  nicht  die  Überzeugung  hätte,  es  hier  mit  ganz
vereinzelten  Fällen  zu  tun  zu  haben.  Selbstverständlich  mussten  die  beispiellosen ­
  Vorgänge  auf  dem  kleinen  Gebiete  des  wirtschaftlich  schwachen
Kantons  Tessin  die  unheilvollsten  Folgen  für  diese  Landesgegend  haben,
wenn  nicht  von  aussen  Hilfe  kam.  Kantonsregierung,  Bundesrat,  das
Kartell  schweizerischer  Banken  und  der  Verband  der  Kantonalbanken
bemühten  sich  um  eine  Hilfsaktion.  Es  kam  zur  Gründung  der  „Banca  del
Ticino“,  die  die  Liquidation  der  zusammengebrochenen  Banken  erleichtern
soll  und  die  später  vom  Kanton  Tessin  als  Staatsbank  übernommen  und
betrieben  werden  kann.
Dass  aber  nicht  etwa  nur  die  Lokal-  und  Mittelbanken  die  Folgen  der
Bankkonzentration  verspüren,  davon  zeugen  die  vielen  Sparkassen  und
1)  1914  in  Liquidation  getreten.
2 )  Vergleiche  Neue  Zürcher  Zeitung  Nr.  125  vom  27.  Januar  1914.
            
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