Die Wechselstuben.
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lich einem ganz anderen Zweck als die Wechselstuben
der Privatbankiers. Das Publikum hatte an und für
sich schon mehr und mehr die Gewohnheit angenommen,
seine Gelder den Banken anzuvertrauen. Diesem Hang
kam zunächst die Deutsche Bank entgegen, die in den
verschiedenen von der Geschäftswelt frequentierten Stadt
vierteln Depositenkassen zu errichten begann. Zu einem
Teil wirkte sie dadurch wohl erzieherisch auf die Geschäfts
leute, die bisher auch große Kassabestände thesaurierten,
sie unverzinslich in ihrem Geldschrank liegen ließen.
Zum Teil aber nahm sie doch auch den Privatbankiers
die bereits von ihnen zur rationellen Geldverwaltung
erzogenen Kunden fort. Die Deutsche Bank fand bald
Nachahmer, und aus dem eigentlichen Geschäftsviertel
wandelten die Kassen bald weiter bis in die entferntesten
Wohnquartiere und zogen überall, wohin sie kamen,
nach und nach den kleinen Bankgeschäften den größten
Teil ihrer Kundschaft ab. Natürlich handelten die
Banken hier nicht aus menschenfteundlichen Beweg
gründen. Für sie war der wesentlichste Ansporn, mög
lichst viel Depositengelder zu bekommen. Unsere Banken
pflegen einen so erheblichen Teil ihres Kapitals in der
Gründung von Aktiengesellschaften und in sonstigen Be
ieiligungen an industriellen Unternehmungen anzulegen,
l>aß ihnen nicht allzuviel Gelder bleiben, um Kauf
leuten und Industriellen Kredite zu geben. Deshalb
^ird immer diejenige Bank die mächtigste sein, die die
höchste Summe von Depositen auszuweisen hat. Diese
Depositen werden sehr niedrig verzinst, da die Bank sich
öen Einlegern gegenüber verpflichtet, sie jederzeit ohne
Kündigung zurückzuzahlen. Anderseits aber rechnet die
Bank damit, daß niemals die gesamte Summe der
Depositen zurückverlangt wird, so daß sie die Gelder
3u langfristigen Kreditgeschäften verwenden kann. Frei-
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