JI1. Der Markt von Lübeck
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schrift: De puteo: ortulani, und zählt dann 37 numerierte Buden mit Angabe
ihrer Insassen auf. Dieser Sod (puteum) lag aber an der Nordwestecke des
Marienkirchhofes: im Jahre 1327 war den 14 Buden des Blocks XII nach
Norden zu eine weitere angefügt — wohl in räumlichem Abstande —, die
„supra puteum“ liegt?). Südlich von diesem Sod, auf dem Gelände der
späteren macella panum, werden damals die Gärtnerbuden gestanden haben,
nur hier ist genügender Raum vorhanden. Die Gärtner mußten ihre Buden
räumen, um dem offenbar als notwendiger anerkannten Neubau der Bäcker-
buden Platz zu machen; später, um 1370, mußten sie sich auf dem Friedhof
selbst einrichten, ohne feste Baulichkeiten; um allzugroße Beengung des
Raumes zu verhindern, wird ihnen verboten, auf den zwei Leichensteinen
an den Ecken des Kirchhofs beim Verkauf zu sitzen®‘).
Selbstverständlich haben Verkaufsstellen der Bäcker zur ältesten Markt-
anlage gehört; schon aus dem Grunde hätte man sie, selbst wenn positive
Quellenangaben schweigen würden, auf oder am eigentlichen Markt zu
suchen. Dasselbe gilt aber von den macella carnium, die in den Stadt-
gründungsurkunden des 13. Jahrhunderts immer wieder im Zusammenhang
mit den Verkaufsstellen der Bäcker als ursprüngliche Marktbaulichkeiten
genannt werden?). Der ursprüngliche Platz der macella carnium wird gleich-
falls auf dem eigentlichen Markt zu suchen sein; im Abschnitt IV dieser
Untersuchungen ist im Zusammenhang mit weiteren Tatsachen noch einmal
diese Frage zu streifen. — Die Anlage von Block XXII ist zwar zeitlich
vorläufig nicht genauer zu bestimmen, ist aber sicher wesentlich früher als
die Verlegung der macella panum nach Block XIII erfolgt. Die Rolle von
1262 kennt bereits das bei Block XXIII liegende Heringshaus??), während sie
die macella carnium unerwähnt 1äßt®); sicher bereits 1288 haben aber die
macella carnium im Block XXIII gelegen: damals wird das Haus Breite
Straße 969 (61) als prope macella carnium liegend bezeichnet“). Im Zu-
sammenhang mit dem dauernden Bestreben der Stadt, neue Verkaufsstellen
zu schaffen, wird man Schlachter und Heringswäscher aus Gründen der
Hygiene zeitig isoliert und so vielleicht auch für die Goldschmiede Platz ge-
wonnen haben.
Jedenfalls sind auch die Verkaufsstellen der Bäcker und Fleischer, wie sie
die Marktkarte aufweist, erst Neuschöpfungen der Stadt, in dieser Form
keine Bestandteile der ursprünglichen Marktanlage. Dasselbe gilt auch von
den letzten der Budengruppen auf dem Marienkirchhof, den bodae retro
turrim, die den Block XII bilden. Bei ihnen ist eine ähnliche Beobachtung
zu machen wie bei den kemmerbodae am Westrande von Block XVI: diese
sind die Nachfolger der alten Verkaufsstellen der cirotecarii, der Handschuh-
macher, jene der craterarii, der Bechermacher®°). In beiden Fällen dienen die
ihrer Zahl nach vermehrten Verkaufsstellen jetzt verschiedenen Gewerben,
eine Tatsache, der ja die neue neutrale Bezeichnung sich anpaßt.
Rörig. Hansische Beiträge.