Full text: Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Erwin Respondek, 
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wirtschaftliche und finanzielle Sorgen in das neue Jahr hinüber und 
setzte gleich zu Beginn des Jahres 1914 mit scharfen Kursrückgängen 
ein. In den Nachrichten über Lage und Stimmung der Pariser Börse 
kehrten regelmäßig die Worte „flau", „matt“ usw. wieder. Ab und zu 
erhoben sich kleinere Ereignisse über den alltäglichen Gang. So rief 
einmal der Zusammenbruch der Victorschen Bank auf dem Bankenmarkt 
eine kleine Krise hervor, dann wieder ließ der Plan, die Maximalgrenze 
für Einlagen bei den Sparkassen von 1500 auf 3000 Frcs. zu erhöhen 1 ), 
was die Kaufkraft der Sparkassen steigern würde, den Rentenmarkt 
ein wenig beleben. Aber dies alles Waren nur kleine, stimulierend wirkende 
Vorgänge. Hinter ihnen traten die wirtschaftlichen und politischen 
Schwierigkeiten in den südamerikanischen Staaten, die Wirren in Mexiko 
immer unangenehmer fühlbar in den Vordergrund und zogen schließlich 
bald die Börse ganz in ihren Bann. Die Kurse wichen stark, und die 
Banken konnten zu keiner Intervention schreiten. Sie waren bereits 
zu sehr mit unverkäuflichen Werten immobilisiert und so scharfen Rück 
gängen gegenüber machtlos. Rentenbank- und Industriemarkt lagen 
darum andauernd schwach, desgleichen der Markt ausländischer An 
leihen. Die Übersättigung mit fremden Werten in Kreisen des Pub 
likums trat jetzt doch allzu fühlbar hervor. Sie erzeugte trotz weichender 
Kurse starkes Realisationsbegehren und großen Widerstand gegen 
Neuaufnahmen fremder Wertpapiere. Keine noch so glänzend und 
verlockend verfaßten Schilderungen der Tagespresse vermochten einen 
günstigen Stimmungswechsel im französischen Publikum für neu emit 
tierte Südamerikaner, Russen und andere exotische Staaten zu erzielen. 
Und gerade durch die Einführung neuer Werte glaubte man der dahin 
vegetierenden Börse frische Lebenskräfte zuzuführen! Mit hohem Zins, 
altbekannten glanzvollen Versprechungen auf Zukunftsgewinne und 
groß angelegter, zum Teil von der Regierung wirksam unterstützter 
Propaganda, sollten die ausländischen Papiere über die Börse geleitet 
werden, damit sie um so sicherer in den Besitz der Rentner gelangten. 
In einer Zeit, da die französische Regierung die parlamentarischen Wider 
stände gegen die Emission eines französischen Rententyps zur Ablösung 
ihrer schwebenden Schulden zur Deckung eines Defizits nicht zu brechen 
imstande war, wurde aber die Ausgabe einer Reihe von ausländischen 
Werten in Szene gesetzt, nur um den Markt zu beleben, wie man diesen 
Widerspruch zu erklären versuchte! So wurden im Januar 1914 die 
Serben mit 175 Mül. Frcs. versorgt, dann traten nach einem Monat die 
Russen mit einet Eisenbahn-Anleihe in Höhe von 665 Mül. Frcs. auf 
den Plan. Wieder 4 Wochen später legten die Chinesen eine 100 Mül. 
Frcs. Industrieanleihe auf. Im nächsten Monat erschienen die Griechen 
und erhielten 175 Mül. Frcs. Auch der Türkei gelang es, 500 Mül. Frcs. 
aufzunehmen usw. Aber der französische Kapitalist verhielt sich in der 
Spekulation und Anlage jener Werte durchaus ablehnend, abwartend 
und mißtrauisch, so verlockend und günstig auch die Bedingungen 
b Die Erhöhung erfolgte erst im März 1916.
	        
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