Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin  Respondek,

487,00  Mill.  Frcs.  aus,  und  schließlich  veranschlagte  man  die  Erfordernisse ­
  für  die  Marine  mit  128,00  Mill.  Frcs.  Werden  diese  Sonderauslagen
zum  Budgetdefizit  zugeschlagen,  so  erreicht  die  Spannung  zwischen
Budgetausgaben  und  Budgeteinnahmen  eine  Höhe  von  1256,00  Mill.
Frcs.  Es  bestand  auch  für  die  Zukunft  keine  Aussicht  auf  eine
Entlastung  des  Budgets.  Vielmehr  hatte  die  Finanzverwaltung  die
Überzeugung  gewonnen,  daß  die  militärischen  Forderungen  anwachsen
würden.  Mit  der  Einführung  der  dreijährigen  Dienstzeit  und  der  damit
verbundenen  Erhöhung  der  Effektivbestände,  den  nach  Ansicht  und
Wunsch  des  Kriegsministers  rasch  und  intensiv  durchzuführenden  Reorganisationen ­
  des  Heeres  und  der  Marine,  müssen  Mehraufwendungen
in  schnell  steigender  Richtung  bedingt  sein 1 ).  Sie  würden  den  Budgetaufstellungen ­
  der  nächsten  Jahre  genügend  Hindernisse  und  Mühen
bereiten.  Es  ergab  sich  daher,  daß  in  der  Frage  des  Budgetausgleichs
für  1914  rechtzeitig  Sorge  dafür  zu  tragen  ist,  daß  die  Politik  des  Aufschiebens ­
  nicht  mehr  möglich  ist.  Nur  in  der  Wahl  der  Mittel  konnte
man  kein  einheitliches  Resultat  erzielen.  Ob  Steuern  oder  eine  Anleihe ­
  die  Mehrausgaben  decken  sollten,  bildete  den  Angelpunkt  der
schärfsten  politischen  Kämpfe  im  letzten  Halbjahr  vor  Ausbruch  des
Krieges,  um  den  mehrere  Ministerien  herum-  und  abgeschwenkt  wurden.
Eine  politische  Gruppe,  die  Rechte  und  Mitte  der  Kammer,  vertrat ­
  die  Ansicht,  daß  nur  eine  neue  Rentenanleihe  die  Situation  zu
retten  vermöge.  Diese  Idee  Wurde  von  R  i  b  o  t  in  überaus  gewandter
und  auch  rücksichtsloser  Form  verfochten.  Immer  wieder  wurde  darauf
hingewiesen,  daß  auf  dem  Wege  der  Steuererhebung  diese  Summen
nicht  erlangt  werden  könnten,  da  das  Defizit  zu  hoch  wäre,  und  der
Steuerertrag  auch  bei  Einführung  neuer  Steuern  enttäuschen  würde.  Jene
Gruppe  hatte  allen  Grund,  gegen  die  Verwirklichung  des  Steuergedankens
anzukämpfen.  Denn  das  französische  Steuersystem  zieht  die  besitzenden
Klassen  nicht  in  dem  scharfen  Maße  heran  wie  etwa  England,  sondern
legt  durch  Monopole  und  Verbrauchssteuern  den  minder  Bemittelten
hohe  Abgaben  auf.  Die  indirekte  Steuererhebung  wurde  seit  langen
Zeiten  auf  diese  Weise  zu  Lasten  des  kleinen  Rentners  immer  weiter
ausgebaut,  bis  dieses  System  schließlich  einmal  von  den  Kleinen  als  lästig
empfunden  wurde  und  zu  dem  Rufe  nach  Besteuerung  des  reichen  Mannes
J )  Wie  vorhergesehen  wurde,  zeigten  die  Verhandlungen  und  Vorlagen  über  die
außerordentlichen  Kredite  für  die  nationale  Verteidigung,  die  in  der  Kammer  am  10.  Juli
1914  geführt  wurden,  eine  Steigerung  der  militärischen  Ausgaben.  Sie  erforderten  einen
Betrag  von  754,00  Mill.  Frcs.  und  waren  wie  folgt  auf  die  einzelnen  Posten  verteilt  (in

Mill.  Frcs.):
Eisenbahn-Dienst  .  28,2
Artillerie  404,3
Genie-Truppen  231,3
Luftschiffahrt  ........  21,4
Intendantur  48,0
Sanitäts-Dienst  6,8
Landvermessung  0,5
Pulver  und  Salpeter  14,0
            
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