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Erwin Respondek,
rücksichtigung von nominellem Zins, Kurs, Amortisation, Steuerfreiheit
usw. und „so ergibt dies eine tatsächliche Verzinsung, die nur um i Schil
ling hinter 7 % zurückbleibt“ 1 ).
Wenn diesen und anderen anscheinend etwas tendenziös durch
geführten Berechnungen der Tagespresse nicht gefolgt Werden kann,
so stellt doch die Jahreszinsquote von 6 % gewiß einen schweren
Schlag für Frankreichs und Englands finanzielle Stellung dar. „Man
chester Guardian“ bezeichnet mit Recht die Anleihe als ein sonder
bares Geschäft, und sein Urteil über die Wirkung der Anleihe für Eng
lands Ansehen kann mit gleicher Uneingeschränktheit auf Frankreich
übertragen werden, nämlich, daß: „Englands Prestige und zwar die
empfindlichste Seite von Englands Prestige, sein guter finanzieller Ruf.
einen sehr schweren Schlag erhalten hat“ 2 ). Wenn die Bedingungen
drückend, hart, erniedrigend oder ähnlich für Frankreich und England
waren, so sind dies doch nur Begleiterscheinungen, die zwar von
den Geldbedürftigen bisweilen wenig angenehm empfunden werden
mögen, den Geldgebern jedoch natürliche Erfordernisse sind, die im
übrigen das harmonische Verhältnis zwischen beiden Parteien wenig
trübten, da es tatsächlich zu einem positiven Geschäftsabschluß kam.
Im Augenblicke dringenden Bedürfnisses nach einer Erleichterung
von den drückenden Valuta-Sorgen fragte eben Frankreich nicht nach
Schönheit, idealer Vollendung u. ä. m., sondern es suchte die durch
außergewöhnliche Umstände hervorgerufene schlechte Lage durch außer
gewöhnliche Mittel zu verbessern. Kein Staat würde wohl anders ge
handelt haben können oder behandelt worden sein.
Es ist nicht bekannt geworden, nach welchem Schlüssel die Lasten
und Anteile an dieser Anleihe auf die beiden Staaten verteilt wurden
und ob auch Rußland in irgendeiner Form hieran teilnimmt. Getrennte
Haftung für einen bestimmten Teil — den jeweiligen Anteil an der An
leihe — oder solidarische Haftung, einheitlicher Zinsen- und Amor
tisationsdienst gegenüber dem Konsortium, Anteile an der Anleihe-
Summe, Anleihe- und Wechselkursdifferenzen bei der Amortisation
liegen noch vollkommen im Dunkeln, sind hier aber auch jetzt ohne
wesentliche Bedeutung.
Diese Anleihe, die von vornherein zweifellos eine reine Währungs-
Anleihe war, erfüllte die hochgespannten Hoffnungen der Finanzkreise
Frankreichs nicht. Hierüber ist Klarheit in dem weiteren Verlauf der
Wechselkurse in New York zu finden. Nach einer kurzen Erholung
setzte in wenigen Tagen ein erneuter Rückgang des Wechsels auf Paris
und des Cable-Transfers auf London ein 3 ). Die Bewegung der fran-
1 ) Manchester Guardian, 29. September 1915.
2 ) Berliner Börsen-Courier, 9. Oktober 1915, Nr. 473, S. 7.
3 ) Der Sterlingkurs wies nach Abschluß der Anleihe die folgende Bewegung auf;
Parität: 100 £= 486,656 Dollars
1. Oktober 4,7285 5. „ 4,705°
2 ' „ 4.7335 6. 4,7065
4 ‘ » 4,7i5o 7- „ 4,7035