82
Erwin Respondek,
heftigsten werden die Kämpfe, sobald der Zeitpunkt anrückt, an dem
das Privileg der Bank von Frankreich, nämlich das Recht der alleinigen
Notenemission, zur Erneuerung gelangt. Es ist hier nicht der Raum,
diese sehr bemerkenswerten Vorgänge nach ihren offenen und heim
lichen Tendenzen und ihren Resultaten geschichtlich darzustellen, und
daher möge nur das Prinzip herausgeschält werden, das jenen Be
wegungen zugrunde liegt. Ist die Frage der Verlängerung des Noten
privilegs akut, dann kommt es lediglich für die eine Partei, zu der die
Landwirtschaft, die Industrie oder der Handel, das Gewerbe und stets
der Staat zählen können, darauf an, von der Bank z. B. in der
Kreditgewährung größere Zugeständnisse zu erlangen, erhöhte, billige
Vorschüsse zu erhalten u. a. m., also im Kern das Privileg zu einem
Handelsobjekt zu stempeln. Ähnlicher Natur waren die Ziele bei
der Privilegs-Debatte im Jahre 1897. Heute werden die Ziele natürlich
äußerlich andere sein und im wesentlichen von den Ereignissen des
Krieges bestimmt werden. Es erscheint aber als höchst unfruchtbare
Arbeit, schon jetzt über das Problem der Privilegs-Erneuerung zu dis
kutieren, obwohl die Entwicklung des Wirtschaftslebens in ihren neuen
Bahnen, obwohl noch alles im Flusse ist und das gegenwärtige Privileg
dazu erst am 31. Dezember 1920 abläuft. Die Notenbank steht immer
noch mit allen Kräften im Kreise der ihr gestellten, tatsächlich nicht
leicht zu meisternden Aufgaben, sie verkörpert immer noch den Kredit
des Staates, ohne den die nationale Verteidigung schwerlich diesen
Gang genommen haben könnte und die gesamte heimische Wirtschafts
führung in die größten Schwierigkeiten versetzt sein würde. Von ihr
daher jetzt zu fordern, einen innerpolitischen Kampf zu führen, ist mehr
als kurzsichtig, ist verantwortungslose Gesinnung. Es ist von hier aus
nicht klar zu erkennen, Welche politischen Strömungen diesmal an der
Arbeit sind. Nur so viel steht fest, daß auch jetzt wieder geheime po
litische Kräfte wirken, deren Ziele ja noch nicht bekannt sind oder doch
nur mit Vorsicht vermutet werden dürfen. Es besteht vielleicht in einigen
Kreisen die Annahme, daß die Notenbank durch ihre neuen, unzweifelhaft
hohen Verdienste um die Staats- und Volkswirtschaft zu einer hohen
Macht werden könnte: „die Bank wird zu mächtig, ihr Verdienst um das
Land könnte den Einfluß politischer Streber ausschalten“, deshalb,
so argumentiert die „Frankfurter Zeitung“ 1 ) weiter: „die Bank muß
fühlen, daß das Parlament Herr der Lage ist, die Bank muß vor allen
Dingen bluten, sie soll für einen Teil der Kriegskosten aufkommen“.
Diese Annahmen brauchen nicht zu stimmen, jedenfalls hat die „Frank
furter Zeitung“ aber recht, wenn sie bemerkt, daß bei derartigen Zielen,
„mit solchen Leuten“ jede sachliche Diskussion ein Ding der Unmöglich
keit ist. Bei einer Realisierung dieses vermuteten Zieles würde eben
die Bank von Frankreich aufhören Notenbank zu sein.
Das unterirdische Treiben gegen das französische Noteninstitut
muß aber sehr konsequent und kräftig vor sich gegangen sein, da der
h a. a. O. 13. Juli igi6, No. 192.