Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

Blutes,  neues  Leben  zeugend,  ein;  hier  reichten  sich  als  an  einem
Schnittpunkt  des  Weltverkehrs  deutsche,  holländische,  belgische
und  französische  Bildung  die  Hand;  hier  schufen  der  emporblühende
Handel  und  einträgliche  Gewerbe  einen  sicheren  Besitz  und  fröhliche ­
  Wohlhabenheit  ohne  Ueberfluß  als  Vorbedingungen  bürgerlicher ­
  Geisteskultur,  vielseitiger  Anregungen  und  tatkräftigen,
weitblickenden  Strebens.  Köln  erhielt  als  alte  Hochburg  kirchlicher
Gesinnung  und  religiösen  Lebens  nun  auch  durch  die  politische  Regsamkeit ­
  seiner  Bürger,  durch  seinen  wirtschaftlichen  Aufschwung,
seinen  lebhaften  Kunsthandel  und  sein  mannigfaltiges  vorbildliches
Schul-  und  Bildungswesen  eine  weittragende  geistige  Mission.
Sprachrohre  und  Spiegelbilder  dieser  Mission  wurden  die
Kölner  Tageszeitungen.  Es  zeugt  von  dem  klaren  Einblick,
den,  außer  den  Begründern  des  Hauses,  der  zielbewußte  und  mit
starkem  Wirklichkeitssinn  begabte  Mehrer  und  Erweiterer  der
Unternehmungen  der  Firma,  der  Verleger  Josef  Bachem,  in  diese
Verhältnisse  besaß,  daß  er,  keiner  Schwierigkeit  nachgebend
und  von  keinem  Rückschlag  niedergebeugt,  nach  einigen  tastenden ­
  Versuchen  im  Jahre  1860  den  kühnen  Wurf  wagte  und  nach
hartem,  opferreichem  Ringen  die  Kölnische  Volkszeitung  als  politische ­
  Tageszeitung  ins  Leben  rief.  Sie  wurde  bald  ein  führendes ­
  Organ  der  Katholiken  in  Groß-Deutschland  und  verschaffte,
alle  technischen  Fortschritte  der  Neuzeit  sich  zu  nutze  machend,
der  katholischen  Presse  in  Deutschland  überhaupt  eine  steigende
Bedeutung.  Nach  der  Gründung  der  politischen  Partei  des  Zentrums ­
  vertrat  sie  selbständig  und  unabhängig  deren  Programm
und  Ziele.  Und  als  nach  einem  Jahrzehnt  ihres  Bestehens  der
Kulturkampf  losbrach,  trug  die  Kölnische  Volkszeitung  der
Partei  die  Sturmfahne  voran  in  der  Verteidigung  der  Rechte  und
Freiheiten  der  katholischen  Kirche  und  in  der  Zurückweisung
der  Ausnahmemaßregeln,  welche  die  Gleichheit  aller  Staatsbürger ­
  vor  dem  Gesetz  beeinträchtigten.
Schon  dem  Gründer  der  Kölnischen  Volkszeitung  schwebte
ein  Organ  vor,  das  auch  im  Ausland  als  Sprachrohr  und  als
geistiges  Bindemittel  der  Katholiken,  vor  allem  der  deutschen,
            
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