Full text: Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

es ist auch etwas Knorriges, Bäuerliches, Trotzköpfisches und 
Holzschnittartiges in seiner ganzen Schreibweise, aber ein Reich 
tum an Darstellungskraft und Phantasie, der sich sehen lassen 
kann. Vier Jahre später brachte der Verlag den Roman „D e r 
Bauernprofessor“ heraus, in dem die Betätigung des Direk 
tors einer in einem Tiroler Dörfchen neugeschaffenen land 
wirtschaftlichen Schule dem Verfasser Veranlassung zu manch 
originellen Betrachtungen und guten Winken für die Praxis 
bietet. Einen gemütlichen Ton bringt Schrott-Fiechtl, der auch 
des Humors nicht entbehrt, durch Anwendung von mundartlichen 
Beiklängen in seine Werke. Im Frühjahr 1918 trat er mit einem 
vortrefflichen neuen Roman „Wettertannen“ vor die Leserwelt. 
Unter den bodenständigen Heimatdichtern des Verlags kann 
auch J. v. D i r k i n k einen Platz beanspruchen. Unter dem 
Decknamen verbarg sich die Tochter des Ingenieurs Werthmöller, 
die 1839 zu Mettingen im Kreise Tecklenburg in Westfalen 
geboren wurde und unter eigenartigen Umständen aufwuchs. 
Auf dem Gut ihres Großvaters in heiterer Ungezwungenheit sich 
tummelnd, lernte sie notdürftig lesen und schreiben und wurde die Gattin 
des Kaufmanns und Gutsbesitzers A. Sandhage im Jesuitenhof bei 
Coesfeld. Nun erst begann sie die großen Lücken ihrer Bildung auszu 
füllen, was ihr bei einem trefflichen Gedächtnis und leichter Auffassung 
bald gelang. In ihrem literarischen Schaffen, zu dem sie sich angespornt 
fühlte, weil Levin Schücking ihre erste Novelle gelobt hatte, hielt sie 
sich an den Grundsatz, festzuhalten, „was zu meiner Zeit mir gut und 
lobenswert dünkte“. Das Volk der Moor- und Heidebauern ist ihre 
Domäne, die sie trefflich kennt und aus der sie reichlich schöpft. Aller 
dings sind ihre Gestalten vielfach Kompromißleute, der naturalistische 
Stil war zu ihrer Zeit noch zu wenig entwickelt, um die Figuren so 
derb und deutlich reden zu lassen, wie die Wirklichkeit sie sah. 
Ihr Lebenswerk, der Roman „Die beiden Brune“, der 
1904, ein Jahr vor ihrem Tode, in Bachems Verlag erschien, ließ 
ihre früheren Erzeugnisse weit hinter sich, und hier traten auch 
die echten Bauern in ihrer ganzen Natürlichkeit vor die Augen 
der Leser. Die Novellen „Herms Vermächtnis“ und „Im Kampf 
mit der Welt“ haben in Bachems Novellen-Sammlung mehrere 
Auflagen erlebt. 
Die neueste Vertreterin der Heimatkunst im Bachemschen 
Verlag ist wiederum ein starkes Talent: Maria Köck-Gmeiner. 
Aus ihrem prächtigen Roman mit dem bescheidenen Titel „Das 
Vorstadthaus“, diese Geschichte des bürgerlichen Pfeifen-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.