Full text: Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

der Zeitung gingen in den Buchverlag über die Romane „Voh 
winkels Drei“ (1909), „Am Ende der Welt“ (1910; beide 
unter dem Decknamen Endeers), „Die Zelle der Gerech 
tigkeit“ (zusammen mit den Novellen „Die schöne Melusine“ 
und „Der fressende Pfennig“; 1912), „Der Zorn Gottes“ (1913), 
„Der Ruf des Lebens“ (1916) und der Spiritistenroman „Der 
Meister“ (1918). Seit 1912 lebt Franziska Bram in Lehmen 
a. d. Mosel zusammen mit ihrer Schwester Frau Luise Schulze- 
Brück, die ebenfalls mit einem trefflichen Roman „Das Mosel 
haus“ (1910, 2. Aufl. 1918) im Bachemschen Verlag vertreten ist. 
Eine besondere Art von schöngeistiger Literatur pflegt Freiin 
Anna von Krane in ihren religiösen Erzählungen, deren Eigen 
art sich einen großen und gewählten Leserkreis erworben hat. 
Aus ihrer kürzlich bekannt gewordenen eigenen Lebensschilderung, 
die in der Wiedergabe ihres seelischen Erlebens den Schlüssel 
zu ihrem Schaffen als Dichterin und Schriftstellerin bietet, wissen 
wir, daß fsich in ihr westfälisches Adelsblut mit dem leichten 
der französischen Schweiz mischt. 
[Als einziges Kind 1853 in Darmstadt geboren, wandte sie sich nach 
einem Versuch, in Düsseldorf Malerin zu werden, der Schriftstellerei zu. 
Nachdem sie 1890 mit Märchen zuerst hervorgetreten war, im nächsten 
Jahre Gedichte und 1893 „Hauskomödien“ herausgegeben hatte, trat sie 
im Jahre darauf mit einem Bändchen „Von der Palette“ auf, in dem sie 
allerlei „Lustiges, Trauriges und Boshaftes“ von der Zunft erzählte. Ihrem 
ersten Frauenroman „Sibylle“, der 1899 und 1900 entstand, folgte zwei 
Jahre später der Roman „Starke Liebe“, nach ihrem Ausspruch „ein 
ganz unsinniges, dummes Buch für die meisten Menschen“, in dem sie 
ein Bild der verkehrten, an ihr selbst angewandten Erziehungsart gibt. 
Schon als Kind befaßte sich Anna von Krane gern mit religiösen 
Problemen, und die Bibel war ihr eine erhebende Lektüre. Noch zu Leb 
zeiten des Vaters, der diesen Schritt ebensowenig wie zahlreiche ihrer 
Familienmitglieder verstehen konnte, trat die Protestantin zur katho 
lischen Kirche über. Schwer sind ihr jene Jahre gemacht worden. Ihr 
Leben neigte infolgedessen immer mehr zur Einsamkeit. Und da ging ihr 
denn bei der Lesung der Hl. Schrift die Erkenntnis ihrer eigentlichen 
Stärke auf, ihre Besonderheit, die sie in der Schriftstellerwelt behaupten 
sollte. Die biblischen Figuren reizten ihre künstlerische Phantasie 
zur Nachschaffung, und so entstanden zunächst die Legenden „V o.m 
Menschensoh n“.
	        
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