Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

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Gleichzeitig  mit  dem  in  Düsseldorf  spielenden  Adelsroman
„Der  Kunstbaron.  Einige  Kapitel  aus  einem  Menschenleben“  erschienen ­
  die  Christuserzählungen  im  Bachemschen  Verlag.
Künstlerisch  sehr  hoch  steht  der  Magdalenen-Roman  „Magna
peccatrix“  (1908),  von  dem  auch  holländische,  portugiesische
und  magyarische  Uebersetzungen  erschienen  sind.  Den  gleichen
Stoff  behandelte  Freiin  v.  Krane  1918  in  anderer  Form  in  einem
Drama  „Die  Sünderin“.  Einen  zweiten  Band  biblischer  Legenden ­
  vereinigte  sie  im  Jahre  1910  in  dem  Buche  „Das  Licht
und  die  Finsternis“,  in  dem  sie  Idyllen  aus  der  Jugendzeit
des  Heilandes  bot.  In  ihrem  letzten,  im  zweiten  Jahrhundert  n.
Chr.  auf  den  Ruinen  des  zerstörten  Jerusalems  spielenden  Roman
„  W  enndieSteinereden“  erzählt  die  Dichterin,  wie  die  Lehre
Christi  suchende  heidnische  Seelen  adelt:  ein  packendes  Buch.
Unter  den  sehr  zahlreichen  Werken  der  Schriftstellerin
sind  noch  der  prächtige  Herodes-Roman  „Wie  der  König
erschrak“  und  der  im  13.  Jahrhundert  spielende,  ganz  eigenartige ­
  Roman  „Das  Schweigen  Christi“  hervorzuheben,
den  die  Verfasserin  als  ihr  Lebenswerk  bezeichnet  hat.
Es  ist  eine  feststehende  Tatsache,  daß  ein  Teil  der  Leser  und
der  Kritik  bei  der  Beurteilung  der  katholischen  schönen  Literatur  von
zu  engen  Gesichtspunkten  ausgehen  und  sie  auf  den  Standpunkt  der
Jugendlektüre  herabdrücken  wollen.  Der  Roman  und  die  Novelle  sollen
einen  Spiegel  des  Lebens  oder  einen  Ausschnitt  daraus  darstellen,  und
in  der  Wirklichkeit  verläuft  nun  einmal  nicht  alles  nach  hübsch  aufgebauten ­
  Theorien.  Will  man  aus  der  Schilderung  des  Lebens  die  Schuld
ausmerzen,  so  ist  damit  dem  Schriftsteller  vielfach  die  treibende  lebendige
Kraft,  das  Blut  für  den  Lebensnerv  seines  Schaffens,  der  Konflikt,  genommen. ­
  Eine  Gelegenheit,  sich  über  diese  Frage  grundsätzlich  auszusprechen, ­
  die  auch  bei  der  Beurteilung  der  Lage  der  katholischen  Literatur
eine  Rolle  [spielt,  gab  der  Leitung  des  Unterhaltungsteils  der  KV  das
Erscheinen  des  Romans  „Durch  gekämpft“  von  Marie  Luise  von
Hutten-Stolzenberg,  den  verschiedene  Stimmen  für  die  katholische
Leserschaft  ungeeignet  erklärt  hatten.  Der  Konflikt,  heißt  es  in  dieser
Erörterung,  ist  dem  modernen  Leben  entnommen,  und  deshalb  müssen
im  Lauf  der  Erzählung  auch  die  Schattenseiten  dieses  Lebens  vorgeführt
werden.  Der  Roman  enthält  nichts  Schlüpfriges,  nichts  Pikantes,  anstößige
Szenen  sind  streng  vermieden.  Andererseits  ist  mit  Recht  gefordert
worden,  daß  unsere  Schriftsteller  tiefer  ins  Leben  greifen  und
an  großen  Konflikten  nicht  Vorbeigehen  sollten,  ja,  daß  gerade  unsere
            
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