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VII. Die Gemeinde und der Kultus.
Außer den Kleidern muß jeder Mönch einen Betteltopf be
sitzen. Dieses ihm ganz unentbehrliche Gerät ist ein ziemlich großer,
runder, bauchiger Topf mit eiförmigem Boden und enger Öffnung
nach oben, meist aus Eisen, aber auch aus Ton oder Holz und
gewöhnlich schwarz oder blau lackiert. Diesen Topf trägt der
Mönch stets in der Hand. Auf seinem Bettelgange tritt er schweigend
ins Haus, empfängt die Gabe und entfernt sich, wie dies oben
(S. 38) geschildert ist. Die Lamen tragen den Topf nicht mehr
sichtbar, da sie ja in der Regel nicht mehr betteln. Sie haben im
Gürtel oder Ärmel eine hölzerne Schale, aus der allein sie Nah
rung zu sich nehmen. Außer dieser Schale führen sie, namentlich
in der Mongolei, stets ein Fläschchen mit Wasser bei sich. Aus
ihm gießen sie nach beendigter Mahlzeit einige Tropfen in die
Hand und schlürfen sie ein, was als reinigend gilt.
Auf Reinlichkeit wurde im Orden streng gehalten. Jeder Mönch
besaß ein Schermesser Zweimal im Monat am Uxavasatba-
Tage des Neu- und Vollmondes mußte er Haar und Bart scheren.
Regelmäßig mußten die Mönche auch die Nägel schneiden und
rein halten und die Zähne putzen. Später wurde die Tonsur
üblich, die aber schwerlich auf Buddha selbst zurückgeht. Manche
Sekten im Norden scheren sich nicht.
Der Mönch hat ferner ein Sieb bei sich. Durch dieses gießt
er das Wasser, ehe er trinkt, um alle Unreinigkeit zu entfernen,
vor allem aber, um kleine Tiere abzusondern und so am Leben zu
erhalten. Die Ausrüstung vollendete eine Nähnadel.
Die drei Kleider mit dem Gürtel, der Betteltops, das Scher
messer, das Sieb und die Nähnadel bildeten in alter Zeit das
ganze Eigentum des Mönches. Später kam dazu noch ein Bettel
stab, der jetzt nur noch selten getragen wird. Im südlichen Buddhis
mus hat seine Stelle der Sonnenschirm eingenommen, mit dem
der Mönch sein kahles Haupt schützt. Die Lamas tragen bei sich
das Gebetszepter, ein unsern Mörserkeulen ähnliches Instrument,
das sie beim Hersagen der Gebete und kirchlichen Verrichtungen
in mannigfacher Weise bewegen, eine Klingel, eine Trommel ans
Menschenschädeln, eine kleinere Trommel, einen Rosenkranz, Amulett
und Büchelchen. Beim Betteln blasen sie eine Trompete aus dem
Schenkelknochen eines Menschen. Einzelne tragen auch an Stelle
des alten Bettelstabes den „Alarmstab", einen Stab, der in einen
Dreizack oder eine blattartige Schleife ausläuft, an der Ringe
hängen, die durch ihr Klingen weltliches Geräusch von den Ohren