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reichverzierte Glückwunschdiplome, in denen das Druckerei
personal nach damaliger Sitte zu den Namenstagen des Prinzipals
in schwungvollen Versen seinen Gefühlen Ausdruck verlieh.
Die stetige Vergrößerung des Druckereibetriebes beweist auch
dieTatsache, daß im Jahre 1854 die täglich erscheinende „Rheinische
Volkshalle“ hier hergestellt werden konnte. Ihr erster Schriftleiter
Wilh. v. Chezy hat in seinen ..Lebenserinnerungen“ ergötzlich
geschildert, auf welche Art diese Vergrößerung damals vor sich
ging. Danach hatte sich Lambert Bachem erboten, „innerhalb
zehn Tagen“ auf das Hinterhaus, in dem die Druckerei sich
befand, ein Stockwerk zu setzen, „um einen Raum für 15 bis
20 Setzer herzustellen. Letzteres Anerbieten klang im Ohre des
Fremdlings einigermaßen abenteuerlich weil er noch nicht wußte,
wie schnell man in Köln baute. Die Arbeit war freilich liederlich
genug, doch darauf kam es im gegebenen Falle nicht an.“ Mit
der Erbauung wurde „bereits am Dienstag nachmittag begonnen,
nachdem vormittags die Verabredung mit dem Besitzer endgültig
sich abgeschlossen. Die Redaktion erhielt drei Räume; ein zwei
fenstriges Zimmer, zwei Klafter breit, drei Klafter tief, acht
Schuh hoch, nebst einer Kammer, die halb so groß war, und
einem rückwärtigen Gemach für die Korrektoren . . .“
Gemäß den Aufzeichnungen des Herrn Franz Zündorf. der 1860 als
Lehrling in das Geschäft eintrat, sprang die südlich des Hauses gelegene
Jesuitenapotheke (Nr. 18) gegen Nr. 20 etwa anderthalb Meter in die Straße
vor, so daß zwischen dem Eingang zur Druckerei und der Apotheke ein
kleiner Winkel gebildet war. Nachdem die Apotheke ein neues Heim
gegenüber, An den Dominikanern, gefunden hatte, war auch dieses Haus
von Lambert Bachem gemietet und die unteren Räume als Zeitungssetzerei,
die oberen zu Zwecken der Schriftleitung, der Werksetzerei und als
Wohnung für den Faktor (Druckereileiter) Münze'eingerichtet worden.
Gleich beim Eintritt in das alte Haus standen nach der Zündorfschen
Beschreibung rechts und links hohe Bretterverschläge mit Büchern des
Verlags. Links zwischen diesen war der Eingang ins Kontor. Dort saß
im ersten Raum Herr Robert Bachem 1 ' 4 , der Korrektor W. Ho st er
und ein Buchhandlungsgehülfe. Im zweiten Raum hatten ein zweiter
namens Gracklauer und ein junger Mann mit Namen Thelen ihren Platz
sowie Herr Steinborn, der Leiter der in der Druckerei hergestellten
Zeitschrift „Der Berggeist“. Rechts hinter dem Lattenverschlag (Bücher
lager) war ein großes, düsteres Gelaß mit vergittertem Fenster nach dem
Hof der Apotheke, das als Papiervorratskammer diente. Daneben befand
sich die Küche, in der die sehr geschätzte Köchin, die Traut, ihres Amtes
waltete.