Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

Neben  der  Küche,  zwei  Stufen  aufwärts,  stand  in  einem  kleinen  Vorbau
nach  dem  Hofe  zu  eine  Holzpresse,  auf  der  morgens  zwischen  10  und
11  Uhr  der  Wechselkurs  für  das  Bankhaus  Stein  gedruckt  wurde.  In
demselben  Raum  saß  der  Zeitungskorrektor  Stadler.  Durch  eine  neben
diesem  „Kapäuschen“  befindliche  Hoftür  kam  man  zum  Eingang  in  die
Buchbinderei,  wo  der  Meister  Dick  mit  2—3  Gehilfen,  einem  Lehrling ­
  und  8—10  Hilfskräften  seines  Amtes  waltete.
Etwa  vier  Meter  hinter  der  Buchbinderei  befand  sich  im  Erdgeschoß
die  Druckerei,  im  ersten  Stock  die  Setzerei  und  darüber  noch  ein  Lager
und  der  Trockenspeicher.  In  der  Druckerei  standen  eine  große  Maschine
für  die  „Kölnischen  Blätter“,  eine  andere  für  den  Werkdruck  und  eine
kleinere,  die  Reichenbachsche,  für  den  Akzidenzdruck.  Außerdem  zwei
Handpressen.  Zu  der  größeren  Maschine  gehörten  je  ein  bis  zwei,  zu
der  kleineren  ein  Raddreher.  Sie  hatten  schwere  Arbeit,  zu  der  manchmal ­
  für  den  an  die  Stunde  gebundenen  Zeitungsdruck  einige  Soldaten
aus  der  nahegelegenen  Artilleriekaserne  (wo  jetzt  die  Hauptpost  steht)
z u  Hilfe  geholt  werden  mußten.
Um  diesen  unsicheren  Zuständen  abzuhelfen,  entschloß  sich  Josef
Bachem  im  Jahre  1860  zur  Anschaffung  einer  neu  erfundenen  Heißluft-,
der  sog.  kalorischen  Maschine.  Der  Volksmund  hatte  rasch  für
sie  die  Bezeichnung  „die  Kalosch“  geprägt;  für  sie  war  zwischen  Buchbinderei ­
  und  Druckerei  im  Hofraum  ein  kleines  Maschinenbaus  aufgeführt
worden.  Die  schwerfällige  Kalosch  vollführte  einen  fürchterlichen  Lärm;
bei  jedem  Hub  gab  es  ein  Geräusch,  als  ob  ein  Hammer  auf  eine  Eisennlatte
  aufschlüge.  Die  Hitze  in  dem  kleinen  Raum  war  fast  unerträglich.
Da  die  Maschine  etwa  anderthalb  Meter  tief  stand,  führte  eine  kleine
Treppe  zu  ihr  hinunter.  In  seiner  freien  Zeit  saß  der  Heizer  Quast  auf
der  oberen  Treppenstufe,  spielte  auf  seiner  Gitarre  und  sang  dazu  —  ein
Idyll,  wie  es  die  gute  alte  Zeit  noch  kannte.
Indes  zeigte  sich  die  Kalosch  als  recht  launisch  und  versagte  bei  dem
stets  wechselnden  Kraftverbrauch  für  die  Druckerei  häufig  den  Dienst.
Das  Undichtwerden  des  Luftkessels  infolge  Ueberhitzung  verursachte
allemal  eine  unangenehme  Betriebsstörung,  die  dadurch  behoben  zu  werden
Pflegte,  daß  die  alten  Handschwengel  wieder  an  die  Presse  angeschraubt
and  mit  Hilfe  eines  wohlgesinnten  Feldwebels  wieder  Soldaten  aus  der
benachbarten  jArtilleriekaserne  herbeigeholt  wurden,  die  für  Geld  und
gute  Worte  die  Herstellung  der  Zeitung  im  Schweiße  ihres  Angesichtes
ermöglichten.
Waren  die  Raumverhältnisse  nach  dieser  Schilderung  im
Jahre  1860  nicht  eben  luxuriös,  so  sollten  sie  um  diese  Zeit  noch
e ine  Einschränkung  erfahren.  Die  großen  Pläne  der  Rheinischen
Eisenbahngesellschaft  hatten  zu  Anfang  der  1850  er  Jahre  die
Anlage  eines  Zentralbahnhofs  nötig  gemacht,  der,  25000  qm  groß.
            
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