Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

drucksachen,  kunstvoll  ausgeführter  Festschriften,  Reklamebroschüren, ­
  Neujahrskarten  u.  dgl.  Von  letzteren  —  „wahre
Kabinettstückchen  typographischer  Kleinkunst  in  vornehmer
Ausführung“  nannte  sie  eine  der  angesehensten  typographischen
Fachzeitschriften  —  wurden  in  einigen  Jahren  bis  zu  2  Millionen
Stück  abgesetzt.  Ihr  Drucker  war  der  Künstler  im  Maschinensaal,
Emil  Gramer,  der  fast  35  Jahre  lang  an  derselben  Maschine,
von  der  er  sich  nicht  trennen  wollte,  mit  stillem  Fleiße  wirkte,
ehe  er  in  hohem  Alter  in  den  Ruhestand  trat.
Als  der  Verlag  die  Herausgabe  der  Bachemschen  Jugendschriften ­
  in  Angriff  nahm  (1895),  wurde  besonders  für  deren
Illustrierung  ein  eigenartiges  Farbendruckverfahren  ersonnen.
Durch  Unterlegen  von  sechs  fein  abgestimmten  Farbtönen  unter
kräftig  konturierte  Autotypien  wurde  sehr  schöne  Wirkung  erzielt.
Eine  Anzahl  Kunstmaler  und  Zeichner  unterstützte  die  Druckerei
hierbei.
Sympathische  Aufnahme  in  der  beteiligten  Finanzwelt  fand
auch  die  besondere  Abteilung  für  den  Wertpapier  druck,  die
manche  Hundertmillionenwerte  an  Anleihescheinen,  Aktien,  Kuxscheinen ­
  und  Kuponbogen  durch  ihre  Pressen  laufen  sah.
Der  Kraftüberschuß  der  Betriebsdampfmaschinen  lieferte  seit
dem  Jahre  1896  die  Energie  für  eine  eigene  elektrische  Beleuchtungsanlage. ­
  Freilich  mußte  an  Wintertagen  eine  besondere
große  Dynamomaschine  mit  eigenem  Kraftantrieb  zu  Hilfe  kommen,
denn  der  Gesamtbedarf  betrug  schon  damals  über  400  Glühlampen.
Das  kaufmännische  Kontor  der  Druckereiabteilung  erhielt
1894  in  dem  Prokuristen  Joh.  Andr.  Seidenberg  eine  selbständige ­
  Leitung.
•X
Anfangs  der  neunziger  Jahre  schon  wurde  erkennbar,  daß  bei
der  fortgesetzten  Entwickelung  der  Geschäftsbetriebe  in  absehbarer ­
  Zeit  die  Räume  an  der  Ecke  der  Bahnhof-  und  Marzellenstraße ­
  nicht  mehr  genügen  könnten.  War  doch  schon  im  Jahre
1893  die  Zahl  der  beschäftigten  Personen  auf  280  gestiegen.  Nach
beiden  Seiten,  Marzellen-  wie  Bahnhofstraße,  war  aber  eine
weitere  Ausdehnungsmöglichkeit  ausgeschlossen;  man  mußte  sich
also  mit  dem  Gedanken  einer  Aufgabe  des  alten  Grundstückes
vertraut  machen.  Die  Bedürfnisse  der  Zeitungen  erforderten,
in  der  Nähe  der  Post  oder  des  Hauptbahnhofs  zu  bleiben.  Deshalb
            
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