Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

Im  Jahre  1914  beschickte  die  Druckerei  die  Internationale
Ausstellung  für  Buchgewerbe  und  Graphik  in  Leipzig  (Bugra)
sowie  die  Werkbund-Ausstellung  in  Köln.  Die  Anerkennung,  die
den  von  der  Firma  ausgestellten  Arbeiten  allseitig  zu  Teil  wurde,
diente  ihr  als  weiteren  Ansporn  für  steten  Fortschritt.

Alle  die  guten  Aussichten  für  das  weitere  Blühen  und  Gedeihen
des  Betriebes  traf  wie  ein  Blitz  aus  heiterm  Himmel  am  1.  August
1914  die  Kriegserklärung.  Das  Bild  änderte  sich  mit  einem
Schlage.  Tag  für  Tag  sah  die  Betriebsleitung  mehr  und  mehr  die
eingearbeiteten  guten  Kräfte  dem  Rufe  des  Vaterlandes  folgen  und
ihre  Arbeitsstätte  verlassen.  Die  Aufträge  wurden  von  den  Bestellern ­
  zurückgezogen;  das  Räderwerk  stockte.  Es  war  eine
überaus  schwierige  Zeit,  voller  Aufregungen  und  Sorgen,  die
wenig  glückverheißend  für  die  Zukunft  schien.  Als  dann  die
ersten  großartigen  Erfolge  unserer  Heere  bekannt  wurden,  raffte
sich  zuerst  der  Zeitujngsbe|trieb  schnell  und  tatkräftig  auf.
Man  muß  es  gesehen  haben,  wie  der  große  Geschäftshof  fast  zu
klein  war,  um  alle  die  Leute  zu  fassen,  die  sich  auf  den  Einzelverkauf ­
  von  Zeitungen  warfen,  reißenden  Absatz  findend,  dem
Verkäufer  guten  Verdienst  bringend.  Die  Auflage  der  KV  schwoll
an,  die  Hast  in  der  Herstellung,  die  man  kaum  noch  zu  steigern
für  möglich  gehalten  hatte,  ging  ins  Fieberhafte.  Es  bedurfte  der
äußersten  Anspannung  aller  Kräfte,  um  der  Nachfrage  nach  den
neuesten  Ausgaben  zu  genügen.  Der  Ruf  nach  Zeitungen  aus  dem
Felde  bewirkte  eine  bedeutende  Erhöhung  der  Auflage  der
Wochen-Ausga;be  der  KV,  die  jeden  Mittwoch  durch  ein  aus
dem  Westen  kommendes  Militär-Auto  abgeholt  wurde,  um  unsern
Truppen  auf  dem  schnellsten  Wege  zugänglich  gemacht  zu  werden,
ln  dieser  Zeit  des  Nachrichtenhungers  tauchte  der  Gedanke  einer
Kriegsausgabe  der  KV  auf,  der  für  die  Rotationsdruckerei
und  den  Versendungssaal  eine  außergewöhnliche  Mehrarbeit
brachte.  Diese  Ausgabe  (vergl.  S.  112)  erscheint  gegenwärtig  in
einer  Auflage  von  über  115  000  am  Tage.  Diese  nie  für  möglich
gehaltene  Druckleistung  stelltejalle  bisherigen  Einrichtungen  nahezu ­
  auf  den  Kopf,  es  mußte  vollständig  umgelernt  werden.
Welch  gewaltige  Mengen  an  Rollenpapier  die  Maschinen  zu
bearbeiten  hatten,  möge  aus  folgenden  Angaben  ersehen  werden
            
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