Joh. Jak. Günther, der Medizin und Chirurgie Doktor, spricht in
seinen „Bemerkungen über Köln und seine Bewohner, in
medizinisch-physischer Hinsicht“ vom Jahre 1824 von der Luftverpestung
in der West- und Südwestseite der Stadt, die durch die Unreinlichkeit
der Bewohner veranlaßt sei. Nach demselben Gewährsmann wurde
andererseits die Luft durch die „große Anzahl von Gärten innerhalb
der Mauern der Stadt“ verbessert; er zitiert aus den „Materialien zur
geist- und weltlichen Statistik des niederrheinischen und westphälischen
Kreises, Erl. 1781“, daß im Jahre 1779 in den kölnischen Weingärten
15000 „Ahmen“, im Jahre 1775 1000 Fuder oder 6000 Ahmen, und im
Jahre 1780 sogar 6000 Fuder = 36000 Ahmen Wein geraten seien. Noch
im Jahre 1828 sah sich der Verfasser der „Kurzen Bemerkungen auf
einer flüchtigen Reise am Rhein“ (vgl. S.25) in Köln genötigt, das Taschen
tuch mit Kölnischem Wasser zu sättigen, um den Gestank „ganzer
Seen von Unrat“ in den Straßen wett zu machen.
9 (S. 15) Der Friedrichsd’or galt 5 Taler 23 Sgr. 6 Pfg. Gemäß den Ge
schäftsbüchern wurde das Honorar nach der Bogenzahl berechnet:
4 3 /« Bogen zu 5 Taler = 23 Taler 22 Sgr. 6 Pfg.
10 (S. 17) Bis zur französischen Zeit, 1794, wurde in Köln jedes Haus nur mit
seinen Namen bezeichnet. Am 5. September 1811 erhielt jede Straße ihre
besondere Nummernfolge und an den Straßenecken wurden die Straßen
namen in deutscher und französischer Sprache in Stein gehauen. Solche
Steine sind jetzt noch in Köln vielfach zu finden.
n (S. 17) Aus den Verträgen ist zu ersehen, daß die Lehrlinge nach
damaliger Sitte eine vierjährige Lehre durchmachten und im Hause des
Lehrherrn wenigstens die Kost erhielten. Am 1. März 1825 kam der
sechzehnjährige Sohn des Kölner Bäckermeisters Theod. Gummich zu
Bachem in die Lehre „in der Art, daß derselbe gehalten werden soll, die
Leihbibliothek und den Journalzirkel und alle dahin einschlagenden
Geschäfte zu besorgen, in der Buchhandlung und den Druckereigeschäften
zur Hand zu gehen und alle ihm anzuweisenden schriftlichen und Hand
arbeiten zu besorgen“. Für das erste Jahr erhielt er — da er zu Hause
Kost und Wohnung hatte — 15, für das zweite Jahr 20 Stüber täglich.
— Von auswärts trat am I. September 1830 der siebzehnjährige Sohn
des Münsterschen Verlagsbuchhändlers Hü ff er als Lehrling ein. Er
erhielt vom Lehrherrn Frühstück, Mittag- und Abendessen gegen eine
jährliche Vergütung von 80 Taler Pr. Cour, und wohnte beim Nachbarn
Kievernagel, wo er für das ungeheizte Zimmer im zweiten Stock nach
der Straße 3 Taler nebst 7 Sgr. für die Magd monatlich bezahlte. Die
Geschäftszeit war für ihn von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends mit
1 Stunde Mittagspause. Er sollte lernen „im Comptoir und in der Druckerei
Bücherführung, Rechnungen- Fakturen- und Frachtbriefe schreiben,
vorzüglich aber Briefe copiren, Päckchen packen, überschreiben und