Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

Am  folgenden  Morgen  traf  daraufhin  bei  der  Greisin  zu  ihrer
größten  Ueberraschung  und  Freude  folgende  Antwort  ein:
Gr.  H.  Qu.,  6.  August  1917.
Unerreichbar  den  Feinden  bleibt  unser  schöner  Rhein,  so  lange
Heer  und  Heimat  in  treuer  Hingabe  gemeinsam  ihn  schützen!
Feldmarschall  von  Hindenburg.
Diese  Antwort  prangt  gegenwärtig  unter  Glas  und  Rahmen
in  ihrem  Wohnzimmer  unter  einem  Bilde  Hindenburgs.
Auch  mit  den  belletristischen  und  literarischen  Freunden
ihres  Gatten  und  Verfasserinnen  des  Buchverlags  unterhielt  sie
auch  nach  dessen  Tode  freundschaftliche  Beziehungen.  Der  verdienstvolle ­
  Literarhistoriker  Dr.  Franz  Hülskamp-Münster,  in
früheren  Jahren  Professor  Dieringer-Bonn,  und  vor  seinem
kirchlichen  Abfall  auch  Professor  Reusch-Bonn,  hatten  oft  in
ihrem  Hause  geweilt.  Die  Romanschriftstellerinnen  Maria  Lenzen
di  Sebregondi,  Ferdinande  Freiin  von  Brackei,  Lina  Freifrau  von
Berlepsch,  Therese  Keiter-Kellner  (M.  Herbert)  hatten  sie  mehrmals ­
  mit  längeren  Besuchen  erfreut.
Gemäß  letztwilliger  Bestimmung  Josef  Bachems  Hauptteilhaberin ­
  der  Firma,  blieb  sie  auch  nach  dessen  Hinscheiden  in
den  engsten  Beziehungen  zur  Fortentwicklung  des  Gesamtbetriebes,
allen  großen  und  kleinen  geschäftlichen  Vorkommnissen  ihre
lebhafte  Anteilnahme  bewahrend.  Auch  in  dieser  Hinsicht  gleichgeartet ­
  wie  ihr  Mann,  war  sie  jedem  gesunden  Fortschritt,  jeder
notwendigen  oder  nützlichen  Neuerung,  jeder  aus  der  Weiterentwicklung ­
  der  Verhältnisse  sich  ergebenden  Vergrößerung  des
Betriebes  durchaus  geneigt.  Wohl  mahnte  sie  hier  und  da  zur
Vorsicht,  aber  auch  selbst  bei  unvermeidlichen  großen  Ausgaben
verhielt  sie  sich  niemals  hemmend  oder  hindernd,  weil  sie  eben
den  politischen  und  geschäftlichen  Bedürfnissen  der  Zeit  volles
Verständnis  entgegenzubringen  wußte  und  ihren  Söhnen  ihr  ganzes
Vertrauen  schenkte.
Besonders  gern  weilte  sie  unter  den  Mitgliedern  der  Redaktion
und  unter  den  kaufmännischen  und  technischen  Mitarbeitern
des  Geschäftes  und  freute  sich,  wenn  sie  bei  den  jährlich  stattfindenden ­
  Redaktions-  und  Geschäfts-Essen,  welche  unter  ihren
Söhnen  abwechselten,  mit  den  Redakteuren,  Prokuristen,  Faktoren
und  Abteilungsvorstehern  des  Betriebes  angenehme  Stunden
plaudern  und  alte  Erinnerungen  auffrischen  konnte.
            
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