Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

Sein  Plan  war  die  Herausgabe  eines  großen  politischen  Blattes,
und  zu  diesem  Zwecke  suchte  er  die  beiden,  neben  der  Kölnischen
Zeitung  in  Köln  bestehenden  Zeitungsunternehmungen,  den  „Weltund
  Staatsboten“  der  J.  G.  Schmitzschen  Buchhandlung  und  den
„Verkündiger  am  Rhein“,  der  bei  J.  M.  Heberle  erschien,  aufzukaufen ­
  und  zu  einem  einzigen  neuen  Blatt  zu  verschmelzen.  Am
28.  Februar  1830  schloß  er  zu  diesem  Zwecke  mit  Heinrich
Pütt  er  einen  Gesellschafts-Vertrag,  wonach  Pütter,  der  als
Schriftleiter  vorgesehen  war,  den  Ankauf  auf  gemeinsame  Kosten
unternehmen  sollte.  Der  Plan  kam  aber  nicht  zustande.
Um  seine  Bestrebungen  nicht  gänzlich  aufgeben  zu  müssen,
entschloß  sich  Lambert  Bachem  schließlich  zum  Ankauf  der
„Rheinischen  Provinzialblätter“,  einer  Monatschrift,  die  mit  dem
1.  Januar  1832  in  Aachen  von  dem  Kgl.  Regierungs-  und  Medizinalrat ­
  a.  D.  Dr.  K.  G.  Neumann  begründet  und  später  von  dem
Regierungssekretär  Aldefeld  übernommen  worden  war.  Von
diesem  kaufte  Bachem  im  Jahre  1834  das  Unternehmen  für  die
geringe  Summe  von  100  Taler.
Die  Provinzialblätter  hatten  zunächst  keinen  politischen  Charakter, ­
  waren  nur  insofern  regierungsfreundlich,  als  sie  nur
„Liebe  zum  Vaterland,  Liebe  zum  König  befördern  und  nähren“
wollten.
Als  Herausgeber  gewann  Bachem  den  Oberbergrat  Professor
Dr.  Jakob  Nöggerath 16  in  Bonn.  Die  Zeitschrift,  die  nun  unter
dem  Titel  „Gemeinnützige  und  unterhaltende  Rheinische ­
  Provinzial-Blätter“  in  Klein-Oktavformat  monatlich
erschien,  wollte  „den  Bewohnern  der  Provinz  in  einer  ungekünstelten, ­
  allgemein  verständlichen,  anspruchlosen,  aber  kräftigen
Sprache  alles  dasjenige  mittheilen,  was  für  dieselben  ein  besonderes ­
  allgemeines  Interesse  hat  und  denselben  nützlich  und
angenehm  seyn  kann“.  Nach  einer  spätem  Ankündigung  hatten
sie  die  „echt  patriotische  Tendenz:  sowohl  das  heutige,  als  das
vergangene  innere  und  äußere  Leben  der  Provinz  möglichst
vollständig  zur  Anschauung  zu  bringen,  und  diejenigen  auswärts
gewonnenen  Kenntnisse  und  Erfolge,  welche  dem  Lande  ersprießlich ­
  seyn  können,  in  diesem  zur  Anwendung  und  Benutzung  zu
fördern“.
Der  Verleger  gab  sich  große  Mühe,  in  Regierungskreisen,  unter
Staats-  und  Gemeindebeamten,  Heeresangehörigen,  Geistlichen
und  Lehrern  Leser  und  Mitarbeiter  zu  finden.  Obwohl  er  von
            
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