Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

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geschildert  werden  sollten.  Das  ursprünglich  französische
Unternehmen  verpflanzte  Bachem  auf  deutschen  Boden,  nicht  in
wortgetreuen  Uebersetzungen,  sondern  in  Bearbeitungen,  bei
denen  auch  die  in  Deutschland  auf  kirchengeschichtlichem
Gebiete  gewonnenen  Ergebnisse  verwertet  wurden.  Ein  Stamm
tüchtiger  Uebersetzer,  deren  Namen  man  im  einzelnen  in  dem
Verlagsverzeichnis  findet,  arbeitete  unter  Ueberwachung  von
Professor  Keusch  äußerst  fleißig,  so  daß  die  zwölf  Bände  in
fünf  Jahren,  bis  zum  Jahre  1869,  Vorlagen.  Um  die  Geschichte
je  eines  einzelnen  Mannes  gruppierte  sich  die  Schilderung  seiner
Zeit,  so  um  Hanani  die  letzten  Tage  von  Jerusalem,  um
Sabianus  die  ersten  Apostel  Galliens,  um  Antonia  die  Märtyrer ­
  von  Lyon,  um  Kaiser  Julian  die  Zeitereignisse,  um
Severinus  die  Bekehrung  der  Donauländer  etc.
Weiterhin  sicherte  sich  der  Verlag  die  englische  Komanschriftstellerin
  Lady  Georgiana  Charlotte  Full  ertön.  Sie  war
die  Tochter  des  englischen  Lord  Granville  Leveson-Gower  und
wurde  drei  Jahre  nach  dem  Uebertritt  ihres  Gemahls,  des  irischen
Gutsbesitzers  Alexander  Fullerton/51846  gleichfalls  katholisch.
Seit  dem  Jahre  1865,  als  der  außerordentlich  günstig  aufgenommene ­
  zweibändige  Koman  „Unglaublich  und  doch  wahr“
in  der  trefflichen  Uebersetzung  von  Freifrau  Olga  von  Leonrod
zum  ersten  Mal  erschienen  war  (1912  wurde  das  14.  Tausend
gedruckt),  brachte  der  Verlag  die  meisten  ihrer  Werke  in  guten
Uebersetzungen  heraus,  z.  B.  1869  „Ellen  Middleton“,  1874
„Luisa  de  Carvajal“,  ein  Zeit-  und  Lebensbild  aus  den  wildesten ­
  Tagen  der  englischen  Katholikenverfolgung  unter  Jakob  I.
Alle  ihre  Werke  erschienen  in  mehreren  Auflagen.
In  den  1870  er  Jahren  war  endlich  die  katholische  schöne
Literatur  derart  erstarkt,  daß  man  von  einem  wesentlichen
Aufschwung  sprechen  kann.  Von  dem  damals  in  Aufnahme
kommenden  realistischen  Stil  hielt  sie  sich  freilich  fern;  aber  es
machten  sich  doch  wenigstens  Ansätze  zu  einem  solchen  Charakter ­
  der  Erzählungsliteratur  bemerkbar,  die  hauptsächlich  in
mehreren  Vorläufern  der  Heimatkunst  sich  kundgaben.  Als  eine
solche  kann  man  wohl  Maria  Lenzen  di  Sebregondi  ansprechen,
die  sich  mit  ihrem  ersten  Novellenwerke  „Aus  der  Heimat“
im  Jahre  1871  im  Bachemschen  Verlag  sehr  vorteilhaft  einführte.
            
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