Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

Eine  vortreffliche  Einführung  in  das  Schaffen  der  Dichterin  mit  Auszügen ­
  aus  ihrem  reichen  Briefwechsel  gab  1907  Fräulein  E.  M.  Hamann,
in  dem  Gedenkbuch  „Ferdinande  Freiin  von  Brackel“  (Bachem).

Nun  war  der  katholischen  erzählenden  Literatur  der  Weg
gebahnt,  auf  dem  es  langsam  aber  stetig  vorwärts  ging.  Josef
Bachem  ist  ihr  ein  unermüdlicher  mächtiger  Förderer  geworden,
besonders  nachdem  er  in  seiner  Zeitung  den  erzählenden  Teil
immer  sorgfältiger  ausbildete.  Sein  feines  Stilgefühl  und  ein
entschiedenes  Talent,  die  bessernde  Hand  an  gute,  aber  nicht  voll
ausgereifte  Werke  anderer  Federn  zu  legen,  machte  erst  manches
Werk  druckreif;  freilich  hatte  er  dieserhalb  auch  mehr  als  einen
Strauß  mit  dem  Selbstgefühl  mancher  Verfasser  und  Verfasserinnen ­
  zu  bestehen.
Das  Jahrzehnt  von  1880—1890  ist  auf  dem  Gebiete  der  katholischen
schönen  Literatur  überaus  fruchtbar  gewesen;  in  dieses  fallen
neben  dem  Auftauchen  bedeutender  Erzählertalente  auch  die
großen  Unternehmen  der  billigen  Sammlungen,  die  für  die
Verbreitung  katholischer  Literatur  von  weittragender  Bedeutung
geworden  sind.
An  der  Schwelle  dieses  Jahrzehnts  steht  das  Ergebnis  eines
Preisausschreibens,  das  von  der  Kölnischen  Volkszeitung  ausgegangen ­
  war.  Unterm  15.  Dezember  1877  (Nr.  344  I)  hatte  sie  für
den  besten  „auf  dem  Boden  christlicher  Weltanschauung“  stehenden ­
  Roman  oder  Novelle  im  Umfang  von  300  bis  400  Druckseiten ­
  kl.  8°  einen  Preis  von  2500  M.  ausgesetzt.  Preisgekrönt
wurde  nach  dem  31.  Dezember  1878  die  Arbeit  „Vergib  und
Vergiß“  von  Ernst  Lingen,  unter  welchem  Decknamen  sich
Fräulein  Elisabeth  Schilling  in  Erkelenz  verbarg,  die  bereits  im
Jahre  1877  mit  einem  Werkchen  „An  der  friesischen  Küste“
ihre  Besuchskarte  bei  der  Kölnischen  Volkszeitung  abgegeben  hatte.
Die  preisgekrönte  Novelle  erschien  im  September  und  Oktober  1879
in  der  KV,  im  nächsten  Jahre  als  Buch  und  fand  eine  sehr  gute  Aufnahme ­
  (1917  wurde  die  14.  bis  16.  Auflage  gedruckt;  eine  Uebersetzung  ins
Englische  war  schon  vorher  erschienen).  Die  Verfasserin  war  1832  als
Tochter  eines  Lehrers  an  der  hohem  Bürgerschule  zu  Erkelenz  geboren
und  ist  dort  am  3.  April  1907  gestorben.  In  ihrem  30.  Jahre  schrieb  sie
die  erste  Erzählung  „Im  Dom  zu  Köln“,  die  in  einer  katholischen  Zeitschrift ­
  Aufnahme  fand.  Dann  wurde  sie  ständige  Mitarbeiterin  des  bis
1879  in  Köln  erscheinenden  „Kalenders  für  das  kath.  Volk“.  1877  waren
            
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