Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

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drei  Bände  gesammelte  Erzählungen  erschienen.  Auch  ein  weiterer
Roman  „Zweimal  vermählt“  (der  in  der  ersten  Auflage  den  Titel
„Ein  Wort  aus  Kindesmund“  führte)  fand  einen  großen  Leserkreis,  und
weiterhin  ist  die  Verfasserin  mit  mehreren  Beiträgen  in  Bachems
Novellensammlung  vertreten.
In  derselben  Zeit,  anfangs  der  1880er  Jahre,  gewann  der  Verlag ­
  eine  junge,  vielversprechende  Schriftstellerin,  deren  fernere
Entwicklung  voll  gehalten  hat,  was  man  von  ihr  erhoffte:
Therese  Kellner  (geh.  1859  in  Melsungen,  Rgbz.  Kassel,  als
Tochter  eines  hessischen  Kanzleirats,  der  1848  auf  seine  Stelle
verzichtet  hatte).  Sie  schrieb  unter  dem  Decknamen  M.  Herbert
und  hat  ihn  bis  heute  beibehalten.
Im  Juli  1881  sandte  sie  ihre  erste  Novelle  „Miß  Edda  Brown“  an  die
Kölnische  Volkszeitung  ein.  Unterm  19.  August  erklärte  die  Schriftleitung
die  Annahme,  und  im  Juni  1882  erschien  sie  in  den  Spalten  der  Zeitung.
Die  Arbeit  verrät  allerdings  die  Jugend  der  Verfasserin.  Von  dem  naturalistischen ­
  Stil,  der  damals  in  Deutschland  unumschränkt  herrschte,  hatte
sie  jedenfalls  keine  Spur;  sie  huldigte  vielmehr,  wie  alle  bisher  erwähnten
katholischen  Schriftstellerinnen,  der  Romantik.  Man  fühlt  auch  den  Mangel
an  Erlebnis,  die  Unsicherheit  der  Komposition;  aber  ein  Talent  war  ebenso
zweifellos  darin  zu  erkennen,  und  es  finden  sich  auch  schon  Ansätze
der  Vorzüge,  die  bei  der  Verfasserin  in  ihrem  ferneren  Schaffen  immer
mehr  zum  Vorschein  kommen:  Reiche  Phantasie,  geistreiche  Tiefe  und
feinsinnige  Psychologie.  Das  erkannte  der  Hauptschriftleiter  Dr.  Cardauns
sofort  und  ermunterte  sie  unterm  15.  Juli  zu  ferneren  Einsendungen.  Diesem
Wunsche  entsprach  die  Verfasserin,  der  damals  schon  das  dichterische
Schaffen  sehr  leicht  von  der  Feder  ging,  so  rasch,  daß  ihr  bereits  am
23.  November  desselben  Jahres  (1882)  die  Annahme  der  Novelle  „Moderne
Jugend“  mitgeteilt  werden  konnte,  die  im  Januar  1883  in  der  KV  Aufnahme ­
  fand  und  drei  Jahre  später  unter  dem  Titel  „Kinder  der  Zeit“
als  Buch  herauskam.
Auch  in  der  Folgezeit  erwies  sich  Therese  Kellner  als  außerordentlich
fleißige  Schriftstellerin;  denn  im  gleichen  Jahre  1883  konnte  die  Zeitung
im  Oktober-November  auch  ihren  ersten  Roman  „Das  Kind  seines
Herzens“  veröffentlichen,  der  im  Jahre  darauf  als  ihr  erstes  Werk  in
Buchform  erschien.  Im  Juli  1884  folgte  in  der  KV  die  Novelle  „Fräulein ­
  Käthe“,  die  zwei  Jahre  später  als  Buch  gedruckt  wurde.  Im  Jahre
darauf  erschien  der  Roman  „Die  Jagd  nach  dem  Glück“,  und  nun
hatte  die  Schriftstellerin  schon  eine  kleine,  im  Lauf  der  Jahre  sich  immer
mehr  ausbreitende  Gemeinde  gewonnen,  die  ihr  mit  großer  Treue  anhing
und  sie  durch  ihr  gesamtes  reiches  Schaffen  begleitete,  mochte  sie  ihre
            
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