Full text : Der Antwerpener Hafen und die Pariser Wirtschaftskonferenz

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Vermôgen  von  fünfundzwanzig  Millionen,  das  den  Interessenten  garantiert
ist,  auBerhalb  des  Bereiches  aller  Gefahr  gestellt  und  vollkommen  unabhângig
  vom  Kapital,  wovon  aller  Vorteil,  d.  i,  der  mit  der  ganzen  Flotte
erzielte  Gewinn  den  Gründern  gehôrt.  Herr  Brys,  administrateur-délégué,
Herr  Gylsen,  administrateur-directeur,  und  Herr  Schobbens,  directeur,
haben  48  725  Aktien  von  je  1000  Fr.  auf  50  000  unter  sich  allein  verteilt!
—  Abschnitt  5  der  Statuten  führt  im  Art,  27  unter  der  Rubrik  ,,Bcstimmungen
  von  nationalem  Interesse"  die  Vorteile  auf,  welche  die  Belgier
bei  der  neuen  Gesellschafi  haben  werden.  Was  denken  Sie  davon?
—  Ich  will  nicht  bekritteln.  Bekanntlich  lassen  sich  aber  so  leicht
allerhand  Bedingungen  in  Statuten  setzen,  die  denen,  die  nicht  klar  in  der
Sache  sehen,  in  die  Augen  stechen.  Die  bemerkenswerten  Briefe  des
Herrn  Van  de  Vorst,  die  in  der  Indépendance  erschienen  sind,  haben  über
diese  sogenannten  Vorteile  den  Stab  debrochen.
Ich  kann  mich  also  darauf  beschranken  zu  sagen,  da!3  sie  lâcherlich
sind,  so  lâcherlich  selbst,  daB  ich  nicht  begreife,  daB  den  Schreibern  des
Textes  selbst  ihre  Nichtigkeit  nicht  aufgefallen  ist,
—  Wenn  ich  gut  verstanden  habe,  ist  das  Los  des  Staates  also  mit
dem  der  neuen  Gesellschaft  verbunden,  da  die  vorgesehene  Dauer  fünfzig
Jahre  betrâgt?  Denken  Sie,  daB  die  Schaffung  und  vor  allem  der  Bestand
einer  Schiffahrtslinie  von  der  Anzahl  Millionen  abhângt,  über  die  man
verfügt?  Gibt  es  nicht  zahlreiche  andere  Faktoren,  mit  denen  Rechnung
zu  halten  ist?
—  Das  Geschick  des  Staates  ist  für  fünfzig  Jahre  an  dieses  Unternehmen
  gefesselt,  denn  die  in  den  Statuten  vorgesehene  Dauer  ist  nicht
minder  als  ein  halbes  Jahrhundert.
Ein  Seereederei-Unternehmen  lâBt  sich  nicht  künstlich  durch  die
Macht  der  Millionen  ins  Leben  rufen.  Niemand  tragt  grôBere  Zuneigung
zu  unserer  Handelsflotte  aïs  ich;  niemand  wünschte  ihr  Gedeihen  mehr
aïs  ich  und  hat  es  so  zur  Sorge  seines  ganzen  Lebens  gemacht.  Aber  man
muB  mit  der  Wirklichkeit  Rechnung  halten.  Erinnern  wir  uns,  daB  der
Seehandel  vor  allem  anderen  international  ist,  und  daB  der  Antwerpener
Hafen  nur  vom  internationalen  Handel  leben  kann.  Vor  allem  in  einem
Lande  wie  dem  unsrigen,  und  in  Anbetracht  seiner  besonderen  Lage  ware
es  unmôglich,  ihn  durch  nationale  Vorrechte  lebensfâhig  zu  machen.  Ist
das  Schiff  übrigens  nicht  vermôge  seiner  Bestimmung  international?  Fâhrt
es  nicht  auf  einem  Gebiet,  das  niemand  gehôrt,  auf  der  See,  die  international ­
  ist  par  excellence?  Am  allerwenigsten  aber  kônnte  Antwerpen
  der  Mitwirkung  der  seefahrenden  Vôlker  entraten,  wollte  es
seinem  Hafen  den  erforderlichen  regen  Verkehr,  wie  die  maBigen  Frachtsâtze
  und  die  Transportgelegenheiten  erhalten,  die  dem  Handel  und  der
Industrie  unentbehrlich  sind.
Überdies  gibt  es  einen  anderen  Punkt,  den  man  nie  aus  dem  Auge
verlieren  darf,  das  ist  die  Ablôsung  des  Scheldezolles,  an  der  sich  eine
ganze  Reihe  Staaten  beteiligt  hat,  Unter  Mithilfe  ihrer  Millionen  wurde
das  prachtige  Résultat  erzielt,  daB  der  Strom  seiner  Fesseln  ledig  ward.
Es  würde  sich  schôn  ausnehmen,  wenn  man  sie  eines  Tages  ihrer  Rechte
berauben  und  gegen  andere  zurücksetzen  wollte!
Die  Antwort  würde  nicht  ausbleiben,  und  es  ware  Grund  dafür  vorhanden,
  Der  Kampf  auf  dem  Gebiete  der  Schiffahrt  besteht  demnach
noch  immer,  und  er  wird  bestehen  bleiben  —  übrigens  wird  er  heilsam
—•  aber  dieser  Kampf  bringt  groBe  Schwierigkeiten  mit  sich.  Kein
Unternehmen  erfordert  mehr  Ausdauer,  mehr  Erfahrung,  mehr  Initiative.
            
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