Full text : Der Antwerpener Hafen und die Pariser Wirtschaftskonferenz

81

6

triebsamkeit  zurückwirken.  Die  belgische  Industrie  bildet
einen  hohen  Prozentsatz  seines  Verkehrs;  sie  ist  andererseits
vermôge  ihrer  Beschaffenheit  zum  groBen  Teile  vom  Gedeihen
des  Hafens  abhângig.  Der  Entfaltung  des  einen  Teils,  die
unter  dem  Antriebe  natürlicher  und  logischer  wirtschaftlicher
Gesetze  erfolgt  ist,  willkürlich  Schranken  setzen  wollen,  bedeutet
  die  Entwicklung  des  anderen  Teiles  in  Frage  zu  stellen;
da  die  Beeinfiussung  eine  wechselseitige  ist,  steigert  sie  sich
durch  die  Anhâufung  der  Wirkungen,
Als  eines  seiner  charakteristischen  Merkmale  zeigt  der
neuzeitige  Handel  die  Tendenz,  die  Rolle  der  Zwischenhand
zwischen  dem  Produzenten  und  dem  Konsumenten  zu  verringern,
  und  dann,  den  Handel  so  nahe  an  die  Verbrauchs-  oder
Erzeugungsmittelpunkte  zu  bringen,  aïs  die  Umstânde  es  erlauben.

Bis  zur  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  ungefâhr  batte  der
Handel  vorwiegend  seinen  Sitz  in  den  Seehâfen,  wo  die  überseeischen
  Waren  gegen  einheimische  Erzeugnisse  ausgetauscht
wurden.  Unter  der  Einwirkung  verbesserter  inlândischer  Verbindungen
  und  einiger  andere  Faktoren  bat  der  Handel  sich  %
jedoch  vor  und  nach  weiter  ins  Land  hinein  zurückgezogen,
Das  war  vornehmlich  der  Fall  hinsichtlich  des  Einfuhrhandels,
mit  dem  wir  uns  gerade  beschâftigen.  Am  stârksten  trat
diese  Neigung  in  den  Hafen  zutage,  wo  das  Lôschen  und  die
Weiterbefôrderung  der  eingeführten  Handelsartikel  mit  einem
MindestmaB  von  Vermittlung  vor  sich  ging,  in  anderen  Worten,
sich  auf  einfachen  Umschlag  beschrankte,  Zum  Nachteile
Rotterdams  und  Hamburgs  sind  Mannheim  und  Duisburg  auf
diese  Weise  für  das  Rheinbecken,  Berlin  für  das  Elbgebiet
wichtige  Markte  für  das  aus  überseeischen  Lândern  eingèführte
Getreide  geworden,
Antwerpen  hat  verhâltnismâBig  wenig  unter  dieser  Entwickelung
  gelitten,  erstens,  weil  Belgien  als  dichtbevolkertes
Industrieland  für  vier  Fünftel  seines  Verbrauches  an  Ackerbauerzeugnissen
  vom  Auslande  abhangig  war,  und  andererseits ­
  groBen  Bedarf  an  Rohstoffen  batte;  zweitens  erlaubte
seine  zentrale  Lage  eine  rationelle  Verteilung  nach  allen  Teilen
des  Inlandes  sowohl  als  nach  dem  fremden  Hinterlande,  das
dieselben  Merkmale  aufwies.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.