Full text: Ferdinand Lassalle

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seinen Konsequenzen zu einer Ausbeutung des Schwä 
cheren durch den Stärkeren führen. Die sittliche Idee 
des Arbeiterstandes sei daher die, daß die ungehinderte 
freie Betätigung der individuellen Kräfte durch das Indi 
viduum für sich allein noch nicht ausreiche, sondern daß 
zu ihr in einem sittlich geordneten Gemeinwesen noch 
hinzutreten müsse: die Solidarität der Interessen, 
die Gemeinsamkeit und Gegenseitigkeit in der 
Entwicklung. 
Aus diesem Unterschiede der sittlichen Idee ergebe sich 
sofort auch der Unterschied in der Auffassung des Staats 
zweckes bei beiden Ständen. 
Die Bourgeoisie habe die Doktrin produziert: die 
Aufgabe des Staats bestehe darin, die persönliche Frei 
heit des einzelnen und sein Eigentum zu schützen! Dies 
sei die Doktrin der wissenschaftlichen Vertreter der Bour 
geoisie, dies die Doktrin ihrer politischen Führer oder 
des Liberalismus. 
Aber dies sei eine höchst dürftige, unwissenschaftliche 
und der wahren Natur des Staates nicht entsprechende 
Theorie. 
Die Geschichte sei ein Kampf mit der Natur, mit dem 
Elend, der Unwissenheit, der Machtlosigkeit und somit 
der Unfreiheit aller Art, in der wir uns im Naturstand, 
am Anfang der Geschichte, befinden. Die fortschreitende 
Besiegung dieser Machtlosigkeit, das sei die Entwicklung 
der Freiheit, welche die Geschichte darstelle. In diesem 
Kampfe würden wir niemals einen Schritt vorwärts 
gemacht haben oder jemals weiter machen, wenn wir 
ihn als einzelne, jeder für sich, jeder allein geführt 
hätten oder führen wollten.
	        
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