106
seinen Konsequenzen zu einer Ausbeutung des Schwä
cheren durch den Stärkeren führen. Die sittliche Idee
des Arbeiterstandes sei daher die, daß die ungehinderte
freie Betätigung der individuellen Kräfte durch das Indi
viduum für sich allein noch nicht ausreiche, sondern daß
zu ihr in einem sittlich geordneten Gemeinwesen noch
hinzutreten müsse: die Solidarität der Interessen,
die Gemeinsamkeit und Gegenseitigkeit in der
Entwicklung.
Aus diesem Unterschiede der sittlichen Idee ergebe sich
sofort auch der Unterschied in der Auffassung des Staats
zweckes bei beiden Ständen.
Die Bourgeoisie habe die Doktrin produziert: die
Aufgabe des Staats bestehe darin, die persönliche Frei
heit des einzelnen und sein Eigentum zu schützen! Dies
sei die Doktrin der wissenschaftlichen Vertreter der Bour
geoisie, dies die Doktrin ihrer politischen Führer oder
des Liberalismus.
Aber dies sei eine höchst dürftige, unwissenschaftliche
und der wahren Natur des Staates nicht entsprechende
Theorie.
Die Geschichte sei ein Kampf mit der Natur, mit dem
Elend, der Unwissenheit, der Machtlosigkeit und somit
der Unfreiheit aller Art, in der wir uns im Naturstand,
am Anfang der Geschichte, befinden. Die fortschreitende
Besiegung dieser Machtlosigkeit, das sei die Entwicklung
der Freiheit, welche die Geschichte darstelle. In diesem
Kampfe würden wir niemals einen Schritt vorwärts
gemacht haben oder jemals weiter machen, wenn wir
ihn als einzelne, jeder für sich, jeder allein geführt
hätten oder führen wollten.