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ich um äußerer Vorteile willen einem Vorurteile nach
gebe? Hierin liegt ein übergroßer Rigorismus, ein Ri
gorismus, der in meiner Persönlichkeit begründet ist,
denn meine Partei würde meiner Taufe nicht den ge
ringsten Widerstand entgegensetzen, ich kann ihn durch
genug gewichtige Gründe erklären, um so mehr, da die
Taufe in solchen Fällen als eine reine Formalität an
gesehen wird; und da ich nicht die Notwendigkeit
zugebe, da ich auch nicht im entferntesten gesonnen bin,
irgendeines Vorurteils halber Ihrer Liebe zu entsagen,
so werde ich vielleicht dieses Opfer bringen, wenn es
unumgänglich sein sollte, und mich taufen lassen.
Das heißt, ich werde es tun, wenn Ihr Vater oder Ihre
Mutter absolut darauf bestehen, ich werde es aber keines
falls tun, wenn nur Sie es wünschen sollten. Meine
Frau darf durchaus keine Vorurteile haben.
3. Gehen wir jetzt zu meiner gesellschaftlichen Stellung
über. Fangen wir mit der guten Seite an. Schon seit
einigen Jahren erfreue ich mich in der Gelehrtcnwelt
eines sehr großen Rufes, welcher fortwährend wächst.
Alle Berühmtheiten, die wir haben, Humboldt und Böckh
haben lnich mit dem Namen ihres Freundes beehrt.
Mein Ruf wird sich noch viel und immer mehr vergrößern,
sowohl durch die Nachwirkung schon erschienener als durch
noch zu veröffentlichende Arbeiten.
In der eigentlichen Welt ist meine Stellung
folgende. Im allgemeinen verhalten sich nur wenige
bei uns in Preußen gleichgültig mir gegenüber. Fast
unsere ganze Gesellschaft teilt sich in bezug auf mich
in zwei Parteien. Die eine — zu welcher die ganze
Aristokratie und der größte Teil der Bourgeoisie gehört,