Full text : Ferdinand Lassalle

171

Vermögen  haben,  odersogar,  daß  Sie  überzeugt  seien,  keins
zu  besitzen.  Ich  habe  Ihnen  geantwortet,  daß  mich  dies
durchaus  nicht  berühre,  und  ich  wiederhole  dies  nochmals.
Es  ist  dies  nicht  die  stolze  Verachtung  eines  verliebten,
enthusiastischen  jungen  Kopfes,  der  den  Wert  des  Geldes
noch  nicht  kennt  und  der,  wenn  er  ihn  später  kennengelernt ­
  hat,  Reue  fühlen  wird.  O  nein,  das  ist  es  nicht,
und  ich  konstatiere  dies  ausdrücklich,  weil  dies,  wenn  auch
nicht  in  Ihren  Augen,  so  doch  in  den  Augen  Ihrer  Eltern
die  Garantie  Ihres  Glückes  mit  mir  erhöhen  könnte.
Nein,  es  ist  kein  Jüngling  mit  schimärischen  Ideen,  der
mit  Ihnen  spricht.  Es  ist  ein  gereifter  Mann,  welcher
dem  Alter  nach  nur  fünfunddreißig,  den  Erfahrungen
nach  neunzig  Jahre  zählt.
Ich  fange  also  damit  an,  Ihnen  zu  sagen,  daß  ich  das
Geld  nur  dann  verachte,  wenn  es  mit  etwas  Höherem,
Edlerem,  für  meinen  Willen  Teuerem  wetteifern  will.
Aber  das  Geld  an  sich  ist  eins  der  Mittel  zur  höchsten
Tätigkeit  auf  Erden,  und  als  solches  Mittel  für  meinen
Willen  und  nicht  als  Zweck  desselben  verstehe  ich  es
nach  seinem  wahren  Wert  zu  schätzen.
Ich  will  Ihnen  sogar  mit  meiner  gewohnten  Offenheit ­
  das  Geständnis  machen  —  und  das  könnte  Sie  vielleicht ­
  überraschen  —,  daß  ich  vielleicht  imstande  gewesen
wäre,  eine  Frau  mit  einer  Mitgift  von  drei  bis  vier
Millionen  Talern  zu  heiraten,  bloß  dieses  Vermögens
wegen,  ohne  weiter  ihre  Person  zu  berücksichtigen.  Denn
wenn  diese  Frau  mir  ein  Vermögen  von  solcher  Höhe  zugebracht ­
  hätte,  wo  das  Geld  dann  eine  Macht  wird,  so
würde  ich  mir  vielleicht  gesagt  haben:  „Mit  einem  solchen
Vermögen  kannst  du  deine  großen  wissenschaftlichen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.