Full text : Ferdinand Lassalle

187

habe,  hatte  die  Schwäche,  seinen  Verwandten  nachzugeben. ­
  Er  zog  sich  zurück  und  reiste  mit  ab.
Er  hatte  genug.  Wenn  er  aber  auch  genug  hatte,
ich  hatte  es  nicht!  Es  ist  wahr,  auch  mein  Vater,  den
ich  zärtlich,  sehr  zärtlich  liebe,  war  herbeigeeilt  und
flehte  mich  an,  mit  ihm  zurückzukehren,  diesen  fürchterlichen ­
  Kampf  nicht  weiter  fortzusetzen.  Aber,  Sophie,
merken  Sie  dies  wohl:  wenn  ich  mein  Wort  gebe,  so
ist's  für  die  Ewigkeit.  Mein  Vater  mußte  allein  zurückkehren. ­

Nachdem  Oppenheim  im  Dezember  1846  freigesprochen ­
  war,  kehrte  Mendelssohn  im  Juni  1847  aus
Paris  zurück,  denn  jedermann  und  alle  Juristen  erklärten
einstimmig,  daß  für  ihn  keine  Gefahr  mehr  vorhanden
sein  könne.  Wenn  Oppenheim,  der  die  Kassette  weggenommen ­
  hatte,  freigesprochen  war,  so  konnte  man
Mendelssohn,  der  nur  sein  Mitschuldiger  war,  unmöglich ­
  verurteilen.  Mendelssohn  kehrte  also  zurück  und
begab  sich  freiwillig  in  das  Kölner  Gefängnis.  Man
stellte  ihn  vor  den  Assisenhof.  Die  Verurteilung  schien
das  unmöglichste  Ding  von  der  Welt.
Aber  schon  hatte  der  Graf  seinerseits  Zeit  gehabt,
alle  Vorurteile,  allen  Einfluß,  allen  Haß  in  Bewegung
zu  setzen,  und  besonders  den  allmächtigen  Hebel  —
Gold  mit  freigebiger  Hand  ausgestreut.  Im  Januar  1848
ward  Mendelssohn,  mein  bester  Freund,  durch  ein  Geschworenengericht ­
  als  des  Diebstahls  in  einem  öffentlichen ­
  Gasthause  schuldig  zu  fünfjähriger  Zuchthausstrafe ­
  verurteilt.
Humboldt  bat  den  König,  diese  fünf  Jahre  Zuchthaus
in  ein  Jahr  Gefängnis  zu  verwandeln.  Der  König
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.