Full text : Ferdinand Lassalle

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Zeit  so  traurig,  mir  war  so  unbehaglich,  mein  Herz
zog  sich  so  schmerzhaft  zusammen,  daß  ich  krankzuwerden
und  dadurch  unsere  Rückreise  nach  Rußland  zu  verhindern ­
  fürchtete,  wohin  es  mich,  zermartert  wie  ich  war,
mit  allen  Kräften  meiner  Seele  zog.  Mein  Vater  begriff ­
  meinen  Zustand  und  bedauerte,  daß  er  dem  Wunsche
Lassalles  nachgegeben  hatte.
Lassalle  war  rührend  zärtlich.  Er  wiederholte  öfters,
daß  er  nur  von  Rußland  aus  eine  Entscheidung  annehme;
daß  er  hoffe,  die  Trennung  von  ihm  würde  meine  Gefühle ­
  für  ihn  wachrufen.  Ungeachtet  meiner  Bitte  unter
Tränen,  mich  nicht  zu  quälen,  fiel  er  immer  wieder  in
den  früheren  Ton  seiner  Erklärungen.  Wir  verbrachten
den  ganzen  Morgen  in  seinem  Kabinett.  Unser  aller
Stimmung  war  so  traurig,  daß  es  den  Anschein  hatte,
als  ob  eine  Leiche  im  Hause  sei.
Die  traurige  Stimmung  wurde  auf  kurze  Zeit  durch
die  Erscheinung  von  Lassalles  Schwager,  dem  Manne
seiner  einzigen  Schwester,  unterbrochen.  Diese  Figur
repräsentierte  den  Typus  des  reichgewordenen  Juden,
den  der  Firnis  der  europäischen  Zivilisation  noch  nicht
berührt  hat.  Der  Ausdruck  seines  Gesichts,  seine  Manieren ­
  waren  grob  und  eckig.  Seine  modische,  europäische ­
  Kleidung,  die  schwere  goldene  Kette  und  die
Menge  Ringe  mit  Edelsteinen  konnten  es  nicht  verbergen, ­
  daß  er  den  Laden  oder  die  Funktion  als  Agent
erst  unlängst  verlassen  haben  müsse.  Dieser  Herr  begann
fast  mit  den  ersten  Worten  über  Lassalle  herzufallen,
über  dessen  politische  und  soziale  Ideen,  über  seine
Propaganda.  Zwischen  ihm  und  Lassalle  begann  ein
origineller  Streit.  Er  erhitzte  sich  fürchterlich  und  warf
            
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