Full text: Ferdinand Lassalle

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Nach dem Mittagsmahls verabschiedeten wir uns von 
der Gräfin und fuhren ins Hotel, um uns zur Abreise 
vorzubereiten. Lassalle folgte und verließ uns nicht 
mehr, bis der Zug, mit dem wir reisten, sich in Be 
wegung setzte. Es verging keine Viertelstunde, daß er mir 
nicht wiederholte: „Ich erwarte Ihre Antwort aus 
Rußland, beeilen Sie sich nicht, prüfen Sie sich ordentlich!" 
Auf ihn, den Traurigen, Gramerfüllten hinblickend, gab 
ich ihm das Wort, daß ich seinen Wunsch erfüllen wolle. 
Im Wartesaal, wo wir in Erwartung des Abganges 
uns hingesetzt hatten, war Lassalle in nervöser, fieber 
hafter Aufregung; er saß neben mir, konnte aber nicht 
sprechen; schweigend schaute er mir in die Augen, und 
wenn er den Versuch machen wollte, zu sprechen, ver 
wandelten sich seine Worte in dumpfe Töne ohne Zu 
sammenhang und in unterdrückte Seufzer. Ich konnte 
nicht ohne Tranen auf ihn blicken, meine Kehle war wie 
zugeschnürt, ich war in einem der Ohnmacht nahen Zu 
stande, bemühte mich aber nach Kräften, diesen Zustand 
zu verbergen, um in ihm keine falschen Hoffnungen zu 
erwecken. Ich dachte immer, wie schön es wäre, wenn 
wir, wie früher, als Freunde scheiden könnten. 
Nachdem er uns in den Waggon placiert hatte, stand 
er, die Hände auf der Brust gekreuzt und mit dem Rücken 
an eine eiserne Säule gelehnt, so trübsinnig und blaß, 
daß diesdr Anblick, wie ich ihn das letztemal sah, auf 
ewig sich in mein Gedächtnis eingeprägt hat. Als unser 
Zug sich in Bewegung setzte, stürzte er ihm plötzlich nach, 
blieb aber sofort wieder stehen, winkte mit der Hand, 
schwankte und lehnte sich wieder an die Säule. Der 
Zug flog dahin, und er war nicht mehr zu sehen.
	        
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