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Freund betrachten zu dürfen. Sie wissen, daß ich den
Ernst und den Wert einer wirklichen Freundschaft ver
stehe, und ich frage Sie offen und ernst, aus tiefstem
Herzensgründe, ob Sie mein Freund bleiben wollen.
Wie auch Ihre Antwort ausfallen möge, sie wird nie
die schwesterliche Zuneigung verringern oder ändern
können, welche ich nie aufhören werde, Ihnen zu be
wahren.
Ihre ergebene
S. S.
Lassalle antwortete noch, er habe diese Antwort schon in Berlin
vorausgesehen. Es blieb ein dünnes bißchen Freundschaft und
Verständigung übrig, das Sonjas Stolz jedoch bald verwarf. Im
Frühjahr 1863 flackert der Briefwechsel wieder auf. Noch eine
freundschaftliche Regung im Herbst 1863. Auch da spricht Lassalle
von dem „Fieber, das ihn verzehrt". In diesem letzten, erhaltenen
Brief an Sonja S. heißt es: „Schließlich, eines jeden persönlichen
Glückes beraubt, strebe ich wenigstens soviel als möglich danach,
daß mein Dasein den Acker bilde, aus dem das Gemeinwohl der
Zukunft erstehe."