Full text: Ferdinand Lassalle

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es sich also nicht mehr darum, für eine große Idee zu 
streiten und zu ihr langsam und allmählich das große 
Publikum hinaufzuheben, sondern umgekehrt, solchen 
Meinungen zu huldigen, welche, wie sie auch immer 
beschaffen sein mochten, der größten Anzahl von 
Zeitungskäufern (Abonnenten) genehm sind. Von 
Stund' an also wurden die Zeitungen, immer unter 
Beibehaltung des Scheins, Vorkämpfer für geistige 
Interessen zu sein, aus Bildnern und Lehrern des Volks 
zu schnöden Augendienern der geldbesitzenden und also 
abonnierenden Bourgeoisie und ihres Geschmackes, 
die einen Zeitungen gefesselt durch den Abonnentenkreis, 
den sie bereits haben, die anderen durch den, den sie zu 
erwerben hoffen, beide immer in Hinsicht auf den eigent 
lichen goldenen Boden des Geschäfts, die Inserate. 
Von Stund' an wurden also die Zeitungen nicht 
nur zu einem ganz gemeinen, ordinären Geldgeschäfte, 
wie jedes andere auch, sondern zu einem viel schlimmeren, 
zu einem durch und durch heuchlerischen Geschäfte, 
welches unter dem Scheine des Kampfes für große 
Ideen und für das Wohl des Volks betrieben wird. 
Habt Ihr einen Begriff von der depravierenden 
Wirkung, die diese täglich fortgesetzte Heuchelei, dieses 
Pfaffentum des 19. Jahrhunderts, allmählich auf 
Verleger und Zeitungsschreiber hervorbringen mußte? 
Noch ganz andere Wirkungen aber mußten in einer 
Zeit erhitzter politischer Parteikämpfe eintreten. Von 
vornherein konnten natürlich die Zeitungen in diesem 
Kampfe nichts anderes vertreten als alle Vorurteile der 
besitzenden Klassen, unter denen ja bei weitem die meisten 
Abonnenten sind, die wieder die Inserate nach sich ziehen.
	        
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